von Melissa Celmeur
Was ist Kaufsucht? Was sind Ursachen und Symptome?
Kaufsucht wird fachlich oft Oniomanie genannt und gehört zu den sogenannten nicht-stoffgebundenen Abhängigkeiten oder auch Nicht-Substanzabhängigkeiten. Im Verzeichnis der Krankheiten, ICD, wird Kaufsucht unter F.63.8 als Impulskontrollstörung eingeordnet, manchmal auch als Zwangsstörung F.42.
Typisch ist ein starker Wunsch, eine Art Zwang, zu kaufen, selbst wenn kein eigentlicher Bedarf besteht, und die Unfähigkeit, dieses Verhalten kontrolliert zu steuern. Obwohl Kaufsucht noch nicht klar als eigenständige Krankheit im ICD-10 klassifiziert ist, betrachten viele Fachleute sie als ernsthafte psychische Störung, die deutliche Auswirkungen auf Alltag, Finanzen und Beziehungen haben kann sowie Wegbereiter für weitere ernste psychische Erkrankungen sein kann.
Woran man Kaufsucht erkennt – die Symptome
Bei der Kaufsucht überschneiden sich die Symptome oft mit anderen Sucht- oder Impulskontrollstörungen. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
- Unwiderstehlicher Kaufzwang: Betroffene verspüren häufig den Drang, sofort einkaufen zu müssen, ohne realen Bedarf.
- Kontrollverlust: sich selbst gesetzte Limits werden regelmäßig überschritten – zeitlich, mengen- oder kostenmäßig.
- Kaufhandlungen trotz negativer Konsequenzen: Auch wenn Schulden entstehen oder Beziehungen darunter leiden, wird der Kaufimpuls nicht gestoppt.
- Geheimhaltung oder Lügen: Viele Käufe werden verschleiert, Quittungen versteckt oder Käufe vor Angehörigen verheimlicht.
- Kurzfristige Befriedigung, danach Schuldgefühle: Der Einkauf löst oft Euphorie aus, die aber schnell in Reue oder Scham umschlägt.
- Gedankenverlorenheit: Viel Zeit wird mit Planen, Recherchieren oder Träumen über Käufe verbracht.
- Emotionaler Auslöser: Einkauf als Mittel zur Linderung von Stress, Einsamkeit, Traurigkeit oder Langeweile.
- Rückzug und Isolation: Mit der Zeit meiden Betroffene soziale Kontakte, um ihr Kaufverhalten nicht hinterfragen zu müssen.
Wenn mehrere dieser Kaufsucht-Symptome über längere Zeit auftreten und das Leben spürbar beeinträchtigen, spricht man von problematischem oder pathologischem Kaufverhalten.
Warum Kaufsucht entsteht – die Ursachen
Die Entstehung von Kaufsucht hat meist mehrere Ursachen und ist komplex. Emotionale Faktoren und negative Gefühle stehen häufig im Vordergrund, da viele Betroffene das Kaufen nutzen, um innere Leere, Angst oder Stress kurzfristig zu mildern. Eng damit verbunden ist ein geringes Selbstwertgefühl, bei dem Kaufhandlungen kurzfristig ein Gefühl von Bedeutung oder Kontrolle vermitteln.
Als weit verbreitete Kaufsucht-Ursache spielt auf neurologischer Ebene das Belohnungssystem im Gehirn eine zentrale Rolle, ähnlich wie bei stoffgebundenen Süchten, zum Beispiel Alkohol, Amphetamine und andere. Der Einkauf aktiviert das Dopaminsystem, was bei empfindlichen Personen zu einer Verknüpfung zwischen Konsum und Glücksgefühl führt. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können das Risiko zusätzlich erhöhen, insbesondere Impulsivität, Perfektionismus, Narzissmus oder Schwierigkeiten in der Impulskontrolle.
Nicht zu unterschätzen sind auch soziale Faktoren und Umweltfaktoren als mögliche Kaufsucht-Ursache. Übermäßige Werbung, die ständige Verfügbarkeit von Online-Shopping oder kultureller Konsumdruck verstärken die Versuchung erheblich. Zudem besteht häufig eine Komorbidität mit anderen psychischen Erkrankungen, wobei oft gleichzeitig Depressionen, Angststörungen, Essstörungen oder Zwangssymptome vorliegen können.
In vielen Fällen kann ein Teufelskreis entstehen, indem negative Gefühle zum Kaufimpuls führen. Diesem nachzugehen entlastet nur kurzzeitig, denn die Folgen, wie Schuldgefühle, Scham und auch finanzielle Folgen verstärken gerade das Problem.
Kann man Kaufsucht behandeln?
Ein zentraler Ansatz, Kaufsucht zu behandeln, ist die kognitive Verhaltenstherapie (CBT), die sich als wissenschaftlich gut gestützt erwiesen hat. Dabei lernen Betroffene, ihre Gedanken, Gefühle und Impulse zu analysieren und alternative Verhaltensweisen zu entwickeln.
Weitere hilfreiche Maßnahmen ergänzen diesen Ansatz wirkungsvoll. Gruppentherapie und Selbsthilfegruppen bieten bei Kaufsucht die Möglichkeit, dass der Austausch mit Menschen mit ähnlichen Erfahrungen Halt geben kann. Parallel dazu können Finanzcoaching und Schuldenberatung von großer Bedeutung sein, die strukturierte Unterstützung bei Budgetplanung, Ausgabenkontrolle und Schuldenabbau bieten können.
Praktische Kontrollmechanismen können ebenfalls helfen, Kaufsucht zu behandeln. Etwa die Nutzung von Bargeld statt Kreditkarten, das Auslagern von Konten, der Verzicht auf Online-Shopping-Apps oder das Setzen von klaren Limits. Ebenso wichtig sind emotionale Regulationstechniken wie Achtsamkeit, Entspannung und Reflexion statt unmittelbarer Flucht in Käufe.
In Fällen mit begleitender Depression oder Angststörung kann eine medikamentöse Unterstützung durch Antidepressiva erwogen werden, wobei die Evidenz hierfür jedoch begrenzt ist. Die Therapie der Kaufsucht sollte möglichst umfassend sein, das heißt psychotherapeutisch, sozial und finanziell begleitet werden.
Ausblick und Kontaktmöglichkeit
Kaufsucht zu behandeln und zu überwinden ist kein einfacher Weg, aber mit professioneller Begleitung und einer klaren Strategie ist Veränderung möglich. Viele Betroffene berichten von einer deutlichen Reduktion des Kaufzwangs, verbesserter Kontrolle und weniger Schuldgefühlen nach einer konsequenten Behandlung.
Kaufsucht hat viele Symptome und ist eine ernstzunehmende Störung, die weit über übertriebene Shopping-Leidenschaft hinausgeht. Sie kann finanzielle, emotionale und soziale Schäden verursachen und zu weiteren psychischen Erkrankungen führen. Doch es ist möglich, Kaufsucht erfolgreich zu behandeln, zum Beispiel mit einer Therapie oder einem neuen Umgang mit Emotionen und Konsum.
Falls Sie sich in diesem Text wiederfinden oder an Angehörigen Kaufsucht-Symptome erkennen, zögern Sie nicht, die My Way® Klinik zu kontaktieren. Vereinbaren Sie ein vertrauliches Gespräch mit uns, vielleicht ist unser Therapiemodell genau der richtige Ansatz, Ihre Kaufsucht zu behandeln, wenn die negativen Folgen einen stationären Aufenthalt erfordern.