von Melissa Celmeur

Komorbiditäten: Wenn ADHS mit Depression zusammentrifft

Eine Person geht durch einen hell erleuchteten Gang, neben ihr erscheint eine halbtransparente zweite Silhouette der selben Person als Symbol für das gleichzeitige Bestehen mehrerer Erkrankungen, das man Komorbidität nennt

Stellen Sie sich vor, jemand leidet unter anhaltenden Schmerzen, Schwindel oder Magenproblemen, ohne dass die Medizin eine klare organische Ursache findet. Viele Betroffene fühlen sich unverstanden, verzweifelt und allein gelassen. Wenn hinter diesen körperlichen Beschwerden eine somatoforme Störung steckt, bleibt diese oft unbemerkt. Besonders komplex wird es, wenn zusätzlich Komorbiditäten auftreten, etwa Depressionen oder Angststörungen. Dann greifen körperliche und seelische Symptome ineinander und verstärken sich gegenseitig. Das Verstehen, was „Komorbiditäten“ bedeuten, ist ein entscheidender Schritt für Betroffene und Angehörige.

Komorbiditäten – Bedeutung und Hintergründe

Der Begriff Komorbiditäten beschreibt das gleichzeitige Auftreten mehrerer Erkrankungen bei einem Menschen. In der Psychotherapie spielen diese Überschneidungen eine besonders große Rolle, denn selten tritt eine Störung isoliert auf. Viele Patientinnen und Patienten berichten neben der Hauptdiagnose über zusätzliche Beschwerden, die das Leiden verstärken.

So ist es etwa bei somatoformen Störungen. Schmerzen, Funktionsstörungen oder andere körperliche Symptome belasten den Alltag schon genug, doch nicht selten zeigen sich parallele Komorbiditäten mit Depressionen oder Angststörungen. Die Folge ist ein komplexes Beschwerdebild, das die Diagnose und Behandlung erschwert.

Häufiges Beispiel: ADHS-Komorbiditäten

Auch aus einem anderen Bereich der Psychiatrie ist die Problematik gut bekannt: ADHS-Komorbiditäten sind inzwischen intensiv erforscht. ADHS allein ist aus Sicht der Krankenkassen meist keine Indikation für eine stationäre Behandlung, denn die meisten Betroffenen können ihren Alltag irgendwie meistern. Aber Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden häufig unter Zusatzdiagnosen wie Depressionen und Angst in vielen Ausprägungen, wie generalisierte Angststörung, soziale Phobie und ähnliches. Auch kann es zu den sekundären Suchterkrankungen kommen, als eine Art Selbstmedikation. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, alle möglichen Komorbiditäten früh zu erkennen und in die Behandlung einzubeziehen und die zielführende Behandlungsform zu finden. Denn eine einseitige Therapie, die nur das „Hauptsymptom“ adressiert, bleibt oft unzureichend. Insbesondere komplexe Krankheitsbilder mit dem Leidensdruck führen häufig dazu, dass der Alltag nicht mehr gestaltet werden kann und die ambulanten Möglichkeiten nicht mehr ausreichen.

Somatoforme Störungen mit Depression oder Angst

Die Kombination von somatoformen Störungen und Depressionen ist besonders häufig. Wer täglich unter Schmerzen oder Schwindel leidet, entwickelt leicht das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, was ein typisches Symptom von Depressionen ist. Ebenso können Angststörungen hinzukommen. Die Sorge, schwer erkrankt zu sein, verstärkt die Wahrnehmung körperlicher Symptome und kann in einen Teufelskreis führen.

Solche Komorbiditäten mit Depressionen oder Angst erhöhen nicht nur das persönliche Leid, sondern auch die Anforderungen an eine wirksame Therapie. Ein rein körpermedizinischer Ansatz reicht nicht aus. Genauso wenig genügt es, ausschließlich die seelischen Aspekte zu behandeln. Entscheidend ist eine integrative Sichtweise, die Körper und Psyche gleichermaßen berücksichtigt.

Komorbiditäten: Bedeutung für die Therapie

Bei Komorbiditäten liegt die Bedeutung darin, dass sie das Beschwerdebild verändern und oft verschlimmern. Eine depressive Verstimmung kann die Schmerzwahrnehmung intensivieren. Umgekehrt können chronische Schmerzen eine Depression verstärken. Daher ist für die Betroffenen von Komorbiditäten von großer Bedeutung, dass Ärztinnen, Therapeuten und Angehörige die Komorbiditäten erkennen.

In spezialisierten Kliniken, und die My Way® Klinik ist so eine Klinik, setzen wir auf ein multimodulares Therapiemodell. Das bedeutet, dass ärztliche Begleitung, Psychotherapie, kreative Verfahren und Entspannungstechniken so kombiniert werden, dass körperliche Symptome und psychische Begleiterkrankungen gleichermaßen Beachtung finden. Nur so kann der Teufelskreis von ADHS-Komorbiditäten durchbrochen werden.

Verständnis und Empathie – was Betroffene brauchen

Wer mit somatoformen Beschwerden lebt, hört nicht selten: „Da ist doch nichts“ oder „Das bildest du dir ein“. Diese Reaktionen verletzen und isolieren die Betroffenen. Wenn dann auch noch Depression oder Angst hinzukommen, fühlen sich viele doppelt belastet. Ein menschlicher, empathischer Zugang ist deshalb entscheidend.

Betroffene brauchen Verständnis dafür, dass ihre Beschwerden real sind – unabhängig davon, ob eine organische Ursache gefunden wird. Und sie brauchen eine Behandlung, die die Komorbiditäten aktiv einbezieht. Das bedeutet, die Schmerzen ernst zu nehmen, gleichzeitig die Depression zu behandeln, Ängste abbauen und neue Bewältigungsstrategien erlernen.

ADHS und Komorbiditäten ernst nehmen

Komorbiditäten sind nicht als eine Art „Zusatzdiagnose“ zu verstehen. Sie entscheiden darüber, wie stark eine Erkrankung erlebt wird, wie komplex die Behandlung ist und wie groß die Heilungschancen sind. Gerade bei somatoformen Störungen mit Depressionen oder Angst ist es wichtig, frühzeitig hinzusehen. Wer die Komorbiditäten und ihre Bedeutungen versteht, öffnet die Tür für eine wirksame, ganzheitliche Therapie.

In der My Way® Privatklinik werden nicht nur Symptome behandelt, sondern der ganze Mensch gesehen. Wir helfen dabei, Komorbiditäten zu erkennen, einzuordnen und gezielt anzugehen – kontaktieren Sie uns!