von Melissa Celmeur
Die moderne Psychotherapie: Partner einbeziehen kann hilfreich sein
Dieser Beitrag beleuchtet die verschiedenen Möglichkeiten, wie Angehörige unterstützend wirken können, was zu beachten ist, wenn man in die Psychotherapie Partner einbeziehen möchte und welchen Einfluss der Umgang mit psychisch Kranken auf die Genesung haben kann.
Psychische Erkrankungen wirken sich nie nur auf die betroffene Person allein aus – sie beeinflussen auch das soziale Umfeld, insbesondere Partnerinnen und Partner, Familie und enge Freunde. In der modernen Psychotherapie ist deshalb längst anerkannt, dass Angehörige eine wichtige Rolle im Heilungsprozess spielen können. Doch wie genau kann das gelingen, wenn Klienten in einer Psychotherapie ihre Partner einbeziehen möchten oder müssen? Und wo liegen die Chancen, aber auch die Grenzen, wenn man Angehörige beziehungsweise Partner in eine therapeutische Behandlung einbezieht?
Warum die Angehörigen im Umgang mit psychisch Kranken eine Rolle spielen können
Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder Traumafolgestörungen wirken sich oft stark auf das Miteinander aus. Häufig leiden Beziehungen, der Alltag ist belastet, und auch familiäre Angehörige fühlen sich überfordert, hilflos oder emotional erschöpft. Gleichzeitig sind sie oft die ersten, die Veränderungen bemerken, Unterstützung anbieten – oder an ihre Grenzen stoßen.
Hier setzt die moderne Psychotherapie an. Sie erkennt die soziale Dimension psychischer Erkrankungen und bietet Methoden an. Bezogen auf den Kranken bietet zum Beispiel die My Way® Klinik das Modul „Zwischenmenschliche Beziehungen“ an, mit dem Ziel der Verstärkung Halt gebender, verlässlicher Beziehungen mit klaren, wertschätzenden Kommunikationsformen. Bezogen auf die Angehörigen beziehungsweise Partner können diese gezielt und strukturiert einbezogen werden. Das Ziel hier ist, Verständnis zu fördern, Überforderung zu reduzieren und gemeinsam einen besseren Weg im Umgang mit psychisch Kranken zu finden.
Wie die Einbindung konkret aussehen kann
Angehörige beziehungsweise Partner einzubinden kann auf verschiedene Weisen erfolgen – abhängig von der Diagnose, dem Therapieverlauf und der individuellen Situation der Betroffenen.
- Psychoedukation: In Informationsgesprächen lernen Angehörige, was hinter bestimmten Symptomen steckt, wie psychische Erkrankungen entstehen und welche therapeutischen Ansätze es gibt. Dieses Wissen nimmt Angst, schafft Verständnis und hilft, Verhalten besser einzuordnen.
- Angehörigen/Partnergespräche: Therapeutisch begleitete Gespräche, an denen neben der Patientin oder dem Patienten auch ein oder mehrere Angehörige teilnehmen, können Missverständnisse klären, Konflikte ansprechen und gemeinsame Lösungen finden. Besonders sinnvoll ist es, im Rahmen der Psychotherapie den Partner einzubeziehen, wenn Beziehungsmuster eine Rolle bei der Erkrankung spielen oder die Partnerschaft selbst stark belastet ist.
- Systemische Therapieansätze: Einige psychotherapeutische Verfahren, zum Beispiel die systemische Therapie, betrachten nicht nur den Einzelnen, sondern das gesamte Beziehungsgeflecht. Hier werden Angehörige beziehungsweise Partner gezielt mit einbezogen, weil Veränderungen in der Kommunikation und im Rollenverständnis oft entscheidend für den Therapieerfolg sind.
- Angehörigen/Partnerberatung: Manchmal ist es hilfreich, dass Angehörige eigene Unterstützung erhalten, um besser mit der Belastung umgehen zu können. Diese Gespräche finden meist separat von der Therapie der erkrankten Person statt.
- Angehörigen/Partnertherapie: Eine psychische Erkrankung belastet nicht nur die Betroffenen – sondern auch deren Partner. Es ist eine tief verstörende Erfahrung, wenn sich der geliebte Mensch in seiner Persönlichkeit verändert. Die daraus erwachsenen Belastungen können zum Burnout bis hin zur manifesten Belastungsstörung oder schwerer Depression des vormals gesunden Partners führen. Hier bietet sich eine Paralleltherapie mit dem Paar-Coaching der My Way® Klinik an. Jeder Kranke hat einen eigenen Therapeuten und beide treffen beim Paar-Coaching im Rahmen einer „beratenden Psychologie“ zusammen.
Was Angehörige und Partner wissen sollten
Der Wunsch zu helfen ist menschlich – doch Angehörige können nicht „therapieren“. Wichtig ist, die Grenzen der eigenen Einflussmöglichkeiten zu erkennen und zu akzeptieren. Psychotherapie ist ein professioneller Prozess, in dem qualifizierte Fachpersonen die Verantwortung tragen. Trotzdem ist die Rolle der Angehörigen wertvoll – vorausgesetzt, sie geschieht auf Augenhöhe und ohne Druck.
Auch wenn Psychotherapien die Partner einbeziehen sollten, gilt: Nicht jede betroffene Person ist bereit oder in der Lage, andere in ihren inneren Prozess einzuladen. Der Respekt vor der Entscheidung der Betroffenen ist zentral. Gleichzeitig können Therapeuten eine unterstützende Rolle dabei spielen, wenn es darum geht, Gespräche zu ermöglichen und Ängste auf beiden Seiten abzubauen.
Der Umgang mit psychisch Kranken braucht Stabilität und Geduld
Häufig ist der Umgang mit psychisch Kranken von Unsicherheiten geprägt: Was ist hilfreich, was übergriffig? Wie viel Rücksicht ist angemessen? Und wann muss man auch an sich selbst denken? Die Einbindung in die Therapie kann genau hier Klarheit schaffen – über Bedürfnisse, Grenzen und Möglichkeiten auf beiden Seiten.
Indem die Psychotherapie den Partner einbeziehen muss, wird häufig zwangsläufig ein neues Verständnis füreinander entstehen. Auch Vertrauen kann wieder wachsen – nicht nur im therapeutischen Setting, sondern im Alltag. Für viele Paare, Familien oder Freundschaften ist das ein entscheidender Schritt in Richtung Stabilität und gemeinsamer Lebensqualität.
Miteinander statt Nebeneinander
Die gezielte Einbindung von Angehörigen in die Psychotherapie kann ein wirkungsvoller Bestandteil des Genesungsprozesses sein. Sie schafft Verständnis, entlastet, stärkt Beziehungen und unterstützt die erkrankte Person dabei, sich im Alltag besser zurechtzufinden. Gleichzeitig brauchen auch Angehörige Raum, Unterstützung und klare Grenzen. Nur so wird aus Fürsorge keine Überforderung.
In der heutigen Psychotherapie geht es längst nicht mehr nur um die einzelne Person. Es geht um ein ganzes System – und darum, das Umfeld in einen gesunden Heilungsprozess zu integrieren, ohne es zu überfordern.
Gemeinsam gegen die Krankheit – mit Unterstützung der My Way® Privatklinik
Die My Way® Psychiatrische Klinik verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, und wir beziehen in unserem individuellen Therapiemodell bei Bedarf gezielt Angehörige mit ein, sei es in Form von Angehörigengesprächen, systemischen Therapieansätzen oder separaten Beratungsangeboten bis hin zur Therapie. Wenn Sie sich Unterstützung wünschen – für sich selbst oder gemeinsam mit Ihrem Partner oder Ihrer Familie – sind wir für Sie da. Vertrauen Sie auf professionelle Hilfe, die nicht nur den Einzelnen, sondern das ganze System im Blick hat.
Sie haben Fragen und möchten mehr darüber erfahren, welchen Ansatz wir bei der Psychotherapie verfolgen, wie wir Partner und Angehörige einbeziehen und was wir unter einfühlsamer Behandlung verstehen? Wenden Sie sich gerne an unser erfahrenes Team – vertrauensvoll, diskret und individuell abgestimmt auf Ihre Situation.