von Melissa Celmeur

Essstörungen bei Männern erkennen und verstehen

Ein Mann isst nachts vor offenem Kühlschrank unkontrolliert Pizza und Donuts, während ein abgemagerter Oberkörper neben ihm steht und Essstörungen bei Männern symbolisiert

Die meisten Menschen verbinden krankhafte Probleme mit dem Essen vor allem mit Mädchen und Frauen. Dieses Stereotyp führt jedoch dazu, dass eine Essstörung bei Männern oft zu spät erkannt wird. Dabei zeigt die Erfahrung, dass auch Männer unter starkem Leidensdruck stehen können, wenn sie in entsprechende Verhaltensmuster geraten. Essstörungen bei Männern entwickeln sich oft schleichend, werden verdrängt oder mit Sport und vermeintlicher Disziplin kaschiert. Gerade deshalb lohnt ein genauer Blick auf die Mechanismen, in denen Betroffene oft feststecken.

Essstörungen treten bei Männern seltener auf als bei Frauen. Unterschätzt werden sie trotzdem, oder gerade deswegen, häufig. Das liegt zunächst einmal an gesellschaftlichen Erwartungen. Viele Männer haben Hemmungen, sich einzugestehen, dass sie Hilfe brauchen. Sie fürchten, als schwach angesehen zu werden oder eine als weiblich geltende Erkrankung zu haben. Dadurch werden Warnsignale oft übergangen. Die Folgen können gravierend sein, denn eine Essstörung betrifft immer Körper und Psyche gleichermaßen. Bei Essstörungen kann eine Therapie, die frühzeitig einsetzt, schwere Entwicklungen verhindern, doch eben diese Therapie wird bei Männern oft erst spät eingeleitet.

Sport und Körperideale als Faktoren für Essstörungen bei Männern

Jungen und Männer geraten nicht zufällig in den Kreislauf einer Essstörung. Sport spielt eine große Rolle. Intensives Krafttraining, strenge Ernährungspläne und der Wunsch nach einer muskulösen und zugleich schlanken Figur können den Einstieg in eine Essstörung begünstigen. Während manche Betroffene überzeugt sind, nur fit und definiert sein zu wollen, verlieren sie den Überblick über die eigenen Grenzen. Hungern, kompensierende Maßnahmen oder ein extremer Fokus auf Gewicht und Körperfett werden allmählich normalisiert. Viele entwickeln kaum ein Bewusstsein für die Erkrankung, selbst wenn deutliche Symptome vorliegen.

Ein weiterer Aspekt betrifft Körperideale. Auch Männer vergleichen sich zunehmend mit unrealistischen Vorbildern aus sozialen Medien. Das erzeugt Druck. Wer glaubt, nicht zu genügen, kann in eine Abwärtsspirale geraten. Essstörungen bei Männern sind daher eng mit Selbstbild und Perfektionismus verbunden. Scham verstärkt diese Dynamiken zusätzlich, und damit verschiebt sich die Chance, die Essstörung mit einer passenden Therapie zu behandeln, immer weiter nach hinten.

Vielfältige Essstörungen: Welche Arten gibt es?

Essstörungen bei Männern können verschiedene Ausprägungen haben. Zu den bekannten Essstörungs-Arten gehören Magersucht, Bulimie und Binge Eating. Obwohl die Symptomatik bei Männern und Frauen viele Gemeinsamkeiten hat, zeigen sich Unterschiede im Erleben.

Einige Männer erkranken später, andere kombinieren starke Gewichtsreduktion mit intensivem Training, was zu zusätzlichen Risiken führt. Manche erleben gleichzeitig Depressionen, Ängste oder Probleme mit Substanzkonsum. Genau deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig. Sie bildet die Grundlage, der Essstörung mit tragfähigen Therapien zu begegnen, die dem individuellen Erleben gerecht werden.

Ein Hindernis bleibt der Zugang zu einer Behandlung. Essstörungen bei Männern sind in vielen Informationsangeboten kaum sichtbar. Inhalte richten sich häufig ausschließlich an weibliche Erkrankte, was es Männern schwer macht, sich darin wiederzufinden. Gleichzeitig berichten Betroffene, dass sie in ihrem Umfeld wenig Verständnis erleben. So wächst die Hemmschwelle, sich zu öffnen und die Erkrankung einzugestehen.

Deshalb ist es wichtig, Räume zu schaffen, in denen Männer ihre Erfahrung offen aussprechen können. In der My Way® Klinik gehört dies zu den zentralen Bausteinen. Eine respektvolle Atmosphäre und ein verlässliches therapeutisches Team sind Grundvoraussetzungen dafür, dass Betroffene Vertrauen fassen.

Gibt es für Männer Wege aus der Essstörung?

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist ein weiterer Schritt. Essstörungen beginnen bei Männern selten plötzlich. Belastende Erfahrungen, Leistungsdruck oder familiäre Prägungen können den Boden bereiten. Viele Männer haben gelernt, Bedürfnisse lange zurückzustellen und Gefühle nicht zu zeigen. Diese Muster wirken in Essstörungen fort. Bei der Diagnose „Essstörung“ braucht eine Therapie Zeit, Geduld und die Bereitschaft, innere Strukturen zu verstehen. Erst dann können neue Verhaltensweisen entstehen, die dauerhaft tragen.

Auch das Umfeld spielt eine Rolle. Verständnisvolle Angehörige, Freundschaften und ein unterstützendes Netzwerk erleichtern den Weg zurück in ein gesundes Leben. Manche Betroffene brauchen jedoch auch Distanz, um alte Dynamiken hinter sich zu lassen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Erwartungen von außen den Druck weiter erhöhen.

Das My Way® Therapiemodell gegen die Essstörung und alle Arten davon

Essstörungen bei Männern sind kein Randphänomen und auch kein Zeichen persönlicher Schwäche. Sie zeigen, wie stark gesellschaftliche Ideale, Scham und fehlende Aufklärung wirken können. Eine Essstörung ist eine ernstzunehmende Erkrankung, doch sie ist behandelbar. Eine gut begleitete Essstörungs-Therapie eröffnet neue Perspektiven und hilft, den eigenen Körper nicht länger als Feind zu sehen. Ein stationärer Aufenthalt kann indiziert sein bei erheblichem Leidensdruck, mit Einschränkungen bei der Bewältigung des Alltags oder bei Doppeldiagnosen, zum Beispiel mit depressiver Symptomatik.

Die My Way® Klinik unterstützt Männer mit dem Therapiemodell dabei, alte Muster zu durchbrechen und einen Weg zu mehr Stabilität zu finden. Essstörungen verdienen auch bei Männern Aufmerksamkeit, Verständnis und professionelle Begleitung. Wer diesen Schritt geht, stärkt seine Lebensqualität und gewinnt die Freiheit zurück, die die Erkrankung so lange eingeschränkt hat.