von Melissa Celmeur

Die stille Sucht nach Erleichterung: Bulimie

Eine Personenwaage im Vordergrund, eine unscharfe Person kauert im Hintergrund an der Wand, alles wird überblendet in einen Berg an Fast Food und Süßigkeiten

Bulimie, medizinisch „Bulimia nervosa“, ist eine schwerwiegende Essstörung, die oft im Verborgenen stattfindet. Betroffene leiden unter wiederkehrenden Heißhungerattacken, gefolgt von verzweifelten Versuchen, die aufgenommene Nahrung dann wieder loszuwerden. Diese sogenannte „Ess-Brech-Sucht" betrifft in Deutschland laut AOK etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung, wobei überwiegend junge Frauen betroffen sind. Doch hinter dieser Statistik verbergen sich individuelle Schicksale von Menschen, die in einem belastenden Teufelskreis gefangen sind.

Was genau ist Bulimie?

Bei der Bulimia nervosa handelt es sich um eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung, die durch charakteristische Verhaltensmuster geprägt ist, denn Bulimie zeigt häufig typische Symptome. Während eines Essanfalls konsumieren Betroffene innerhalb kurzer Zeit deutlich größere Nahrungsmengen als die meisten Menschen in vergleichbaren Zeiträumen. Dabei haben sie das Gefühl, die Kontrolle über ihr Essverhalten völlig verloren zu haben.

Aus panischer Angst vor einer Gewichtszunahme greifen Menschen mit Bulimie anschließend zu verschiedenen Gegenmaßnahmen. Am häufigsten führen sie selbst Erbrechen herbei, fasten dann über längere Zeit strikt oder treiben exzessiv Sport. Manche setzen auch übermäßig Medikamente wie Abführmittel, Appetitzügler oder entwässernde Substanzen ein.

Bulimie: Welche Symptome sind charakteristisch?

Die Bulimie zeigt verschiedene Symptome, sowohl körperlich als auch psychisch, die oft erst spät erkannt werden, da Betroffene meist normalgewichtig sind. Zu den charakteristischen körperlichen Anzeichen gehören häufig Zahnschäden, die durch die Magensäure beim Erbrechen entstehen, geschwollene Speicheldrüsen und manchmal sogar Verletzungen an den Händen durch das Auslösen des Würgereflexes.

Weitere Bulimie-bedingte körperliche Symptome umfassen Störungen im Elektrolythaushalt, die zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen können, sowie chronische Verdauungsbeschwerden. Viele Betroffene leiden zudem unter Haarausfall, brüchigen Nägeln und einer gestörten Wahrnehmung von Hunger und Sättigung. Zusätzlich gilt der erhöhte Magenrückfluss als Risikoerhöhung für Speiseröhrenkrebs.

Aber bei der Bulimie können die psychischen Symptome mindestens ebenso belastend sein, zum Beispiel ein sehr niedriges Selbstwertgefühl, das stark vom eigenen Körpergewicht und der Figur abhängt, intensive Schamgefühle nach unkontrollierten Essanfällen und der zwanghafte Drang, das Essverhalten geheim zu halten. Betroffene zeigen oft übertrieben selbstkritische Züge und leiden häufig unter begleitenden Depressionen oder Angststörungen.

Die komplexe Bulimie und ihre Ursachen verstehen

Die Entwicklung einer Bulimie hat meist mehrere Ursachen, die individuell sehr unterschiedlich sein können. Biologische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Eine genetische Veranlagung kann das Risiko für die Entwicklung von Bulimie erhöhen. Auch hormonelle Veränderungen während der Pubertät oder häufiges Diäthalten können begünstigend wirken.

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit, wie Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewalt, können für eine Bulimie zu den psychischen Ursachen gehören. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, zum Beispiel ausgeprägter Perfektionismus, ein niedriges Selbstwertgefühl oder eine übermäßige Sorge um das äußere Erscheinungsbild erhöhen ebenfalls das Risiko.

Familiäre Bulimie-spezifische Ursachen können ein gestörtes Essverhalten bei Angehörigen sein oder eine unangemessene Betonung von Schlankheit und Aussehen in der Familie. Gesellschaftliche Einflüsse, insbesondere das vorherrschende schlanke Schönheitsideal, verstärken den Druck gerade auf junge Frauen zusätzlich.

Die Bulimie entwickelt ihre eigenen Ursachen im Verlauf der Erkrankung, denn der Teufelskreis aus strengen Diätregeln, daraus resultierendem Heißhunger, der zu Essanfällen führt, und anschließende Gegenmaßnahmen wie beabsichtigtes Erbrechen löst eine Eigendynamik aus, die schwer zu durchbrechen ist.

Professionelle, auf Bulimie zugeschnittene Behandlung

Die gute Nachricht ist, dass die Bulimie sehr gut behandelbar ist. Eine erfolgreiche Therapie erfordert jedoch professionelle Hilfe und meist einen längeren Behandlungszeitraum. Das Herzstück der Behandlung in der My Way® Klinik bildet das Therapiemodell mit den drei Phasen, die sich als besonders wirkungsvoll erwiesen haben.

In der Therapie lernen Betroffene zunächst, den schädlichen Kreislauf aus Essanfällen und Erbrechen zu beenden. Sie entwickeln ein normales Essverhalten und gewöhnen sich daran, ihre Gefühle auf gesunde Weise zu regulieren. Ein wichtiger Baustein der Bulimie-Behandlung ist die Arbeit an den zugrundeliegenden psychischen Problemen und Traumata.

Je nach Schweregrad der Erkrankung kann Bulimie ambulante oder stationäre Behandlungen erfordern. Bei ambulanter Therapie finden regelmäßige Gespräche mit spezialisierten Therapeuten statt, während eine stationäre Behandlung rund um die Uhr professionelle Betreuung bietet.

Der Weg zur Heilung ist möglich

Etwa jede dritte Person mit Bulimie kann durch eine professionelle Psychotherapie dauerhaft geheilt werden. Auch wenn Rückfälle möglich sind, erlernen Betroffene in der Therapie wichtige Bewältigungsstrategien, die ihnen in schwierigen Lebenssituationen helfen können.

Eine Behandlung erfordert Mut und Durchhaltevermögen, aber sie lohnt sich. Viele ehemalige Betroffene berichten, dass sie nach erfolgreicher Therapie wieder Lebensfreude empfinden und eine gesunde Beziehung zum Essen entwickeln konnten. Frühzeitige Diagnose und Behandlung verbessern die Heilungschancen erheblich. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene und Angehörige die Warnsignale erkennen und sich nicht scheuen, professionelle Hilfe zu suchen.

Ein erster Schritt zu neuem Lebensmut

Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkannt haben oder sich Sorgen um eine nahestehende Person machen, zögern Sie nicht, sich professionelle Unterstützung zu holen. In der My Way® Klinik verstehen wir die komplexen Herausforderungen von Essstörungen und bieten individuelle, einfühlsame Behandlungskonzepte. Neben hochfrequenter Einzeltherapie werden störungsspezifische Kleingruppen empfohlen, für Themen wie Selbstmanagement, Wertesystem, Emotionales Training, und die Elemente der Schematherapie mit dem Ziel des positiveren Umgangs mit den in der Persönlichkeit begründeten Mustern.

Unsere erfahrenen Therapeuten begleiten Sie diskret und professionell auf Ihrem Weg zu einem gesunden Verhältnis zum Essen und zu sich selbst. Kontaktieren Sie uns gerne für ein vertrauliches Beratungsgespräch.