von Melissa Celmeur

Nachdenklicher Mann in Uniform vor einer stilisierten, aufgebrochenen Kopf-Silhouette als Symbol für posttraumatische Belastungsstörung, psychische Belastungen und die Folgen eines Traumas

Was ist PTBS?

Manchmal hinterlassen Erlebnisse im Leben Spuren, die tiefer gehen als man zunächst bemerkt. Ein folgenschwerer Unfall, körperliche oder psychische Gewalt, sexueller Missbrauch, ein Kriegserlebnis sind nur ein paar wenige Beispiele für Ereignisse, die die Seele nachhaltig erschüttern können. Wenn ihre Verarbeitung nicht gelingt und belastende Erinnerungen immer wiederkehren, kann sich daraus eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, kurz: PTBS. Sie ist eine anerkannte psychische Erkrankung – und sie ist behandelbar.

Was genau versteht man unter PTBS?

Die Posttraumatische Belastungsstörung, sprich PTBS, bezeichnet eine psychische Erkrankung, die nach dem Erleben oder Beobachten eines extrem belastenden Ereignisses entstehen kann. Laut einer Krankenkassen-Studie entwickeln etwa zwei bis drei Prozent aller Menschen in Deutschland mindestens einmal im Leben eine PTBS. Betroffene erleben das traumatische Geschehen immer wieder als Flashbacks, als Albträume oder körperliche Reaktionen, die sich wie eine Zeitreise in den schlimmsten Moment ihres Lebens anfühlen.

PTBS tritt dabei nicht zwingend unmittelbar nach dem Trauma auf. Die PTBS-Symptome können auch erst Monate oder sogar Jahre nach dem auslösenden Ereignis erstmals sichtbar werden, was die Diagnose erschwert und Betroffene oft lange im Ungewissen lässt.

Welche PTBS-Symptome sind typisch?

Medizinisch können die PTBS-Symptome in drei Hauptbereiche eingeteilt werden:

  • Wiedererleben: Ungewollte Erinnerungen, Flashbacks und Albträume, die sich aufdrängen und kaum kontrollierbar sind. Betroffene können das Erlebnis nicht als Vergangenheit abhaken.
  • Vermeidung: Menschen mit PTBS vermeiden alles, was sie an das Trauma erinnern könnte, also Orte, Gespräche, Menschen, manchmal sogar bestimmte Gedanken. Dieser Rückzug schränkt das Leben zunehmend ein.
  • Übererregung: Anhaltende innere Anspannung, Schlafstörungen, erhöhte Schreckhaftigkeit und Reizbarkeit. Das Nervensystem bleibt dauerhaft in einem Alarmzustand.

Hinzu kommen häufig körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Magenprobleme oder chronische Schmerzen, für die sich medizinisch keine eindeutige Ursache finden lässt. Sie sind ein deutlicher Hinweis auf die enge Verbindung zwischen Psyche und Körper, die bei der PTBS besonders sichtbar wird.

Was sind PTBS-Spätfolgen – und wie entstehen sie?

Bleibt eine PTBS unbehandelt, können sich Spätfolgen entwickeln. Diese betreffen oft mehrere Lebensbereiche gleichzeitig:

Laut dem US-amerikanischen National Comorbidity Survey war bei zwei Dritteln der erfassten PTBS-Fälle auch nach zehn Jahren noch keine deutliche Besserung eingetreten. Außerdem lagen bei rund 80 Prozent der Betroffenen Begleiterkrankungen vor, die die psychische Belastung zusätzlich erhöhten.

Bei einer PTBS können Spätfolgen auch dadurch entstehen, dass die Erkrankung häufig zu spät erkannt wird. Viele Betroffene suchen zunächst wegen Depressionen, Angstzuständen oder körperlichen Beschwerden Hilfe, ohne den Zusammenhang zum ursprünglichen Trauma zu erkennen. Erst eine differenzierte Diagnostik macht sichtbar, was wirklich hinter den Symptomen steckt.

Was ist der Unterschied zur komplexen PTBS?

Während die klassische PTBS meist durch ein einzelnes traumatisches Ereignis ausgelöst wird, entsteht die komplexe PTBS in der Regel nach wiederholten oder langanhaltenden Traumatisierungen, was häufig in der Kindheit, etwa durch körperliche Misshandlung, sexuellen Missbrauch oder emotionale Vernachlässigung der Fall ist. Auch Kriegsgefangenschaft, Folter oder anhaltende häusliche körperliche oder psychische Gewalt können Auslöser sein.

Seit der Einführung der ICD-11 im Jahr 2022 ist die komplexe PTBS erstmals als eigenständige Diagnose international anerkannt. Zusätzlich zur PTBS mit klassischen Symptomen zeigen sich bei Betroffenen ausgeprägte Störungen in der Emotionsregulation, ein tiefgreifend negatives Selbstbild sowie erhebliche Schwierigkeiten, Vertrauen und Nähe in Beziehungen zuzulassen. Die komplexe PTBS betrifft damit nicht nur einzelne Erinnerungen, sondern oft grundlegende Bereiche der Persönlichkeit und des Beziehungserlebens, was die Behandlung aufwendiger und langfristiger macht.

Wie wird PTBS behandelt?

PTBS und komplexe PTBS sind behandelbar. Die aktuelle S3-Leitlinie der AWMF empfiehlt für Erwachsene primär traumafokussierte psychotherapeutische Verfahren. Bewährt haben sich unter anderem die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie als Einzeltherapie und in der Kleingruppe, ferner EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), eine Methode, bei der belastende Erinnerungen durch gezielte Augenbewegungen neu verarbeitet werden. Bei Bedarf kann eine medikamentöse Unterstützung hinzukommen.

Für die komplexe PTBS empfiehlt die Leitlinie ein dreiphasiges Therapiemodell: Zuerst Stabilisierung, dann die behutsame Auseinandersetzung mit dem Trauma (Konfrontationsphase) und schließlich Integration und Neuorientierung. Allein die Stabilisierungsphase kann dabei erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Das ist ein Grund dafür, dass eine professionelle Begleitung in einem geschützten therapeutischen Rahmen so bedeutsam ist.

Wann sollte man Hilfe suchen?

Wenn Erinnerungen an belastende Erlebnisse den Alltag beeinträchtigen, Schlaf und Konzentration dauerhaft gestört sind oder Rückzug und Taubheitsgefühle das Leben bestimmen, dann ist es Zeit, Unterstützung zu suchen. Je früher eine PTBS als Spätfolge eines Traumas erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten auf Erholung.

In der My Way® Klinik begleiten wir Menschen, die unter den Folgen traumatischer Erlebnisse leiden, auf ihrem individuellen Weg zurück zu mehr Stabilität und Lebensqualität. Unser Therapiemodell verbindet hochfrequente Einzelpsychotherapie mit störungsspezifischen Modulen – zugeschnitten auf die besondere Dynamik von PTBS und verwandten Traumafolgestörungen.