von Melissa Celmeur

Wie entsteht eine Sucht? Der schleichende Weg in die Abhängigkeit

Silhouette einer zusammengesunkenen Person in dunkler Umgebung, daneben Strichmarkierungen als Symbol für die fünf Phasen des schleichenden Verlaufs einer Sucht]

Wie entsteht eine Sucht? Diese Frage stellen sich viele Menschen, oft aus ehrlicher Sorge um Bekannte und Verwandte oder aus persönlicher Betroffenheit. Häufig hält sich die Vorstellung, dass Abhängigkeit plötzlich entsteht und dass Menschen von einem Tag auf den anderen süchtig werden. Doch genau das ist ein Irrtum.

Wer Sucht verstehen möchte, muss sich mit einem langsamen, oft kaum wahrnehmbaren Prozess beschäftigen. Eine Abhängigkeit entwickelt sich in den meisten Fällen schleichend, über Wochen, Monate oder sogar Jahre hinweg. Was harmlos mit einem Glas Wein am Abend oder einer Schmerztablette bei Kopfschmerzen beginnt, kann sich für manche Menschen zu einem ernsthaften Problem entwickeln. Doch wie entsteht eine Sucht genau, und warum behalten manche Menschen die Kontrolle, während andere sie verlieren?

Die 5 Phasen der Sucht: Ein fließender Prozess

Um eine Antwort auf die Frage „Wie entsteht eine Sucht?“ zu finden, hilft ein Blick auf die 5 Phasen der Sucht, die so von Experten beschrieben werden. Diese Phasen gehen fließend ineinander über, sodass Betroffene den Übergang selbst oft nicht bemerken.

  1. Die erste Phase ist das Kennenlernen. Ein erstes Ausprobieren geschieht häufig aus Neugierde, in geselliger Runde zum Abbau von Hemmungen aufgrund von sozialem Druck oder aufgrund von sozialem Druck. Viele Menschen bleiben in dieser Phase und entwickeln keinen problematischen Konsum.
  2. In der zweiten Phase, dem Experimentieren, wird die Substanz häufiger konsumiert. Man testet Grenzen aus, entdeckt die gewünschten Wirkungen und beginnt, bestimmte Konsummuster zum Erreichen der angestrebten Wirkung zu entwickeln.
  3. Die dritte Phase ist der soziale und kontrollierte Konsum. Das Suchtmittel wird regelmäßig, aber kontrolliert konsumiert, etwa die Zigarette in der Pause, das „Feierabendbierchen“ oder das „gute Glas Wein“. Oder das Suchtmittel wird als „Selbstmedikation“ zur Selbstbehandlung von Einschränkungen durch Depressionen, Ängste Traumata und ähnlichen psychischen Belastungen hergenommen. Hier entsteht oft bereits eine Gewohnheit, die aber noch nicht als problematisch wahrgenommen wird.
  4. In der vierten Phase verschiebt sich das Motiv. Aus Genuss wird problematischer Konsum. Wer sich fragt, wie entsteht eine Sucht, erkennt hier einen entscheidenden Wendepunkt. Das Mittel dient nun zunehmend dazu, das Gemüt aufzuhellen, unangenehme Gefühle zu betäuben, Stress abzubauen oder Probleme schlichtweg zu verdrängen. Die Kontrolle über den Konsum schwindet dabei in einem schleichenden Prozess.
  5. Die fünfte Phase ist die manifeste Abhängigkeit. „Es geht nicht mehr ohne“. Ein Suchtgedächtnis hat sich gebildet. Die Kontrolle über Zeitpunkt oder Menge geht häufiger verloren. Der Körper hat sich an die Substanz gewöhnt, und ohne Suchtmittel können auch Entzugserscheinungen auftreten sie treten. Das Leben kreist zunehmend um Beschaffung und Konsum. Es wird trotz des Wissens um die negativen Folgen konsumiert. Die ursprüngliche Wirkung vermindert sich und es werden höhere Dosen benötigt.

Diese 5 Phasen der Sucht zeigen ein deutliches Schema, wie ein scheinbar harmloses Verhalten zur Krankheit werden kann.

Die Arten von Sucht: Vielfältiger als gedacht

Bei dem Wort Sucht denken die meisten Menschen zuerst an Alkohol oder illegale Drogen. Doch die Arten von Sucht sind deutlich vielfältiger. Es gibt stoffgebundene Arten von Sucht wie Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit, bei denen Betroffene auf eine Substanz angewiesen ist. Daneben existieren nicht stoffgebundene Arten von Sucht wie Spiel-, Internet- oder Kaufsucht, bei denen ein Verhalten außer Kontrolle gerät. Besonders tückisch sind jene Arten von Sucht, die im Alltag zunächst unauffällig bleiben. Gerade hier stellt sich oft erst spät die Frage, wie entsteht eine Sucht, etwa bei der Abhängigkeit von Schmerzmitteln oder Schlaftabletten. Auch Arbeitssucht entwickelt sich häufig unbemerkt und wird gesellschaftlich sogar noch positiv bewertet.

Warum entwickelt sich bei manchen Menschen eine Sucht?

Wie entsteht eine Sucht bei einem Menschen, während ein anderer scheinbar problemlos konsumiert? Die Entstehung einer Abhängigkeit ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Genetische Veranlagung spielt ebenso eine Rolle wie psychische Belastungen, traumatische Erfahrungen oder das soziale Umfeld. Viele Betroffene leiden bereits unter unerkannten psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder einem Burnout. Sie greifen zu Suchtmitteln als Form der Selbstmedikation, um belastende Zustände erträglicher zu machen. Auch das Belohnungssystem im Gehirn ist entscheidend dafür, wie entsteht eine Sucht. Suchtmittel beeinflussen die Ausschüttung von Botenstoffen wie Dopamin, die für Glücksgefühle verantwortlich sind. Mit der Zeit gewöhnt sich das Gehirn an diese künstliche Stimulation und benötigt immer höhere Dosen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. So beginnt ein gefährlicher Kreislauf.

Wie lässt sich eine Sucht bekämpfen?

Wer versteht, wie entsteht eine Sucht, erkennt auch, dass eine Abhängigkeit kein persönliches Versagen ist, sondern eine behandelbare Erkrankung. Die gute Nachricht ist: Eine Sucht zu bekämpfen ist möglich, auch wenn der Weg herausfordernd sein kann. Der erste Schritt besteht darin, das Problem zu erkennen und sich einzugestehen, dass professionelle Hilfe notwendig ist. Alleine eine Sucht bekämpfen zu wollen, scheitert in den meisten Fällen, da die Mechanismen der Abhängigkeit tief verankert sind. In der My Way® Privatklinik setzen wir auf einen ganzheitlichen Ansatz, um eine Sucht bekämpfen zu können. Dabei behandeln wir nicht nur die Abhängigkeit selbst, sondern auch die zugrunde liegenden psychischen Erkrankungen. Ohne die Behandlung der Ursachen, etwa einer Depression, Angststörung oder unterdrücktem Trauma, bleibt das Rückfallrisiko hoch.

Um eine Sucht bekämpfen zu können, braucht es einen individuellen Therapieplan, der auf die persönliche Situation abgestimmt ist. Unser 3-Phasen-Modell kombiniert medizinische Behandlung, intensive Einzelpsychotherapie und störungsspezifische Therapiemodule. So entstehen die Voraussetzungen für eine nachhaltige Genesung. Die Antwort auf die Frage:  Wie entsteht eine Sucht? mag ein schleichender Prozess sein, doch der Weg zurück ist möglich. Mit professioneller Unterstützung können Betroffene lernen, wieder ein selbstbestimmtes Leben ohne Suchtmittel zu führen und ihre Lebensqualität zurückzugewinnen.