von Melissa Celmeur

Fibromyalgie – Was genau ist das?

Visualisierung von Fibromyalgie mit erschöpfter Person und leuchtenden Nervenbahnen als Symbol für chronische Schmerzen und die Belastung des Nervensystems

Menschen mit Fibromyalgie beschreiten oft einen langen Leidensweg. Sie leiden unter Schmerzen, Erschöpfung und zahlreichen weiteren Beschwerden, ohne dass sich in Blutwerten, Röntgenbildern oder anderen Untersuchungen eine eindeutige Ursache finden ließe. Nicht selten hören Betroffene deshalb über Jahre hinweg von ihren Ärzten, dass körperlich „alles in Ordnung“ sei. Die Beschwerden sind jedoch nicht eingebildet und können das Leben erheblich beeinträchtigen.

Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die vor allem Muskeln, Sehnen und Weichteile betrifft. Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehrere Millionen Menschen betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer.

Fibromyalgie: Welche Symptome treten auf?

Die Fibromyalgie hat ein alles bestimmendes Symptom, und das sind chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen. Viele Betroffene beschreiben die Beschwerden als ziehend, brennend, stechend oder dauerhaft drückend. Die Schmerzen können wandern und an manchen Tagen stärker ausgeprägt sein als an anderen.

Typisch sind außerdem:

  • ausgeprägte Erschöpfung und Müdigkeit
  • Schlafstörungen trotz ausreichender Schlafdauer
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • innere Unruhe und erhöhte Reizempfindlichkeit
  • depressive Verstimmungen oder Ängste

Viele Betroffene fühlen sich dauerhaft erschöpft und berichten, dass bereits alltägliche Aufgaben enorme Kraft kosten. Dadurch geraten Arbeit, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten oft zunehmend in den Hintergrund. Die Entwicklung psychischer Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen kann so begünstigt werden.

Welche Ursachen kann Fibromyalgie haben?

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand handelt es sich nicht um eine klassische Muskel- oder Gelenkerkrankung. Vielmehr scheint die Verarbeitung von Schmerzreizen im zentralen Nervensystem verändert zu sein.

Das Gehirn und das Schmerzsystem reagieren dabei empfindlicher auf Reize, die andere Menschen kaum oder gar nicht wahrnehmen würden. Deshalb nennt man die Fibromyalgie auch Schmerzverarbeitungsstörung. Was ist das auslösende Moment dafür?

Verschiedene Faktoren können die Entstehung begünstigen

  • langanhaltender Stress
  • schwere Belastungssituationen
  • traumatische Erfahrungen
  • psychische Erkrankungen
  • genetische Veranlagungen
  • chronische körperliche Erkrankungen

Insbesondere belastende Lebensereignisse, traumatische Erfahrungen oder langjährige psychische Überforderung werden häufig im Zusammenhang mit Fibromyalgie beobachtet. Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden nicht real wären. Körper und Psyche stehen jedoch in enger Wechselwirkung und beeinflussen sich gegenseitig.

Wenn die Fibromyalgie ihr Endstadium erreicht

Viele Betroffene stellen irgendwann die Frage: Wie verläuft meine Fibromyalgie, und was ist das Endstadium dieser Erkrankung. Tatsächlich handelt es sich bei Fibromyalgie nicht um eine fortschreitende Erkrankung im klassischen Sinn. Fibromyalgie zerstört weder Gelenke noch Muskeln oder innere Organe. Die Lebenserwartung wird durch die Erkrankung in der Regel nicht verkürzt.

Dennoch kann es im Verlauf zu einer erheblichen Verschlechterung der Lebensqualität kommen. Manche Betroffene entwickeln starke Bewegungseinschränkungen, ziehen sich sozial zurück oder sind aufgrund der dauerhaften Schmerzen und Erschöpfung kaum noch belastbar. Hinzu kommen häufig Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen, die die Beschwerden zusätzlich verstärken können. Deshalb spricht man bei Fibromyalgie nicht von einem Endstadium. Ohne geeignete Behandlung kann die Erkrankung jedoch einen Punkt erreichen, an dem sie nahezu alle Lebensbereiche beeinträchtigt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Heilung der Fibromyalgie ist bislang nicht möglich. Die Beschwerden lassen sich jedoch häufig durch ein ganzheitliches Behandlungskonzept deutlich lindern. Bewährt haben sich vor allem regelmäßige Bewegung, Entspannungsverfahren, Schmerzbewältigungstraining sowie psychotherapeutische Unterstützung. Auch Schlafstörungen, Ängste oder depressive Verstimmungen sollten gegebenenfalls mitbehandelt werden. Da sich Fibromyalgie mit unterschiedlichen Symptomen äußern kann, ist eine individuell abgestimmte Therapie besonders wichtig.

Wann kann eine stationäre Behandlung sinnvoll sein?

Eine Behandlung in einer spezialisierten Klinik kann sinnvoll werden, wenn die Beschwerden den Alltag massiv einschränken oder ambulante Maßnahmen nicht zu helfen scheinen.

Bei viele Menschen mit Fibromyalgie kommen wie erwähnt zusätzlich Symptome wie Depressionen, Traumafolgestörungen, Angststörungen oder chronische Überlastung hinzu. In solchen Fällen reicht die Behandlung einzelner Symptome oft nicht aus. Entscheidend ist vielmehr, die Zusammenhänge zwischen körperlichen Beschwerden, psychischer Belastung und dem Nervensystem zu verstehen.

In der My Way® Klinik betrachten wir deshalb immer den gesamten Menschen. Gemeinsam analysieren wir mögliche Belastungsfaktoren, entwickeln individuelle Behandlungsstrategien und unterstützen unsere Patientinnen und Patienten dabei, neue Wege im Umgang mit Schmerzen, Stress und Erschöpfung zu finden.

Auch wenn Fibromyalgie häufig chronisch verläuft, bedeutet die Diagnose keineswegs, dass Betroffene ihrem Schicksal hilflos ausgeliefert sind. Mit der richtigen Unterstützung lassen sich Beschwerden oft deutlich lindern und Lebensqualität zurückgewinnen.