von Melissa Celmeur

Chronische Schmerzen und Psyche: Der psychosomatische Einfluss

Ein Mann steht gebeugt an einem Tisch und hält sich den Rücken, ein roter Nebel liegt auf seinem Körper

Die komplexe Verbindung zwischen chronischen Schmerzen und der seelischen Gesundheit betrifft Millionen von Menschen weltweit. Entscheidend für Heilungsmöglichkeiten ist es, die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen körperlichen Beschwerden und psychischen Faktoren zu erkennen und zu verstehen.

Wie sind chronische Schmerzen definiert?

Chronische Schmerzen sind Beschwerden, die länger als drei bis sechs Monate andauern und dadurch ihre ursprüngliche Warn- oder Alarmfunktion im Körper verloren haben. Diese anhaltenden Beschwerden sind nicht nur physisch, sondern beeinflussen maßgeblich auch unseren Seelenzustand und unser gesamtes Lebensumfeld.

Besonders bedeutsam sind psychosomatische Schmerzen, bei denen seelische Belastungen körperliche Reaktionen hervorrufen. Diese zeigen deutlich, wie eng Körper und Seele miteinander verknüpft sind.

Der untrennbare Zusammenhang zwischen Körper und Psyche

Ein fundamentaler Grundsatz in der Schmerztherapie lautet: Es gibt kein Schmerzempfinden ohne Beteiligung der Psyche. Die Wahrnehmung von Nervenschmerzen und unsere Psyche sind dabei untrennbar miteinander verbunden.

Die Wechselwirkung funktioniert in beide Richtungen. Menschen können aufgrund der dauerhaften Belastung mit chronischen Schmerzen psychische Erkrankungen entwickeln. Andererseits kann eine psychische Vorerkrankung als Risikofaktor betrachtet werden, chronische Schmerzen zu entwickeln. Nervenschmerzen belasten die Psyche oft zusätzlich zu bereits vorhandenem seelischem Druck, während die psychische Anspannung die Schmerzwahrnehmung intensiviert. Die kranke Psyche wirkt insofern auf den Körper und stört die Organfunktionen. In diesem Fall spricht man von der Somatisierungsstörung.

Stress als Schlüsselfaktor für chronischen Schmerz

Die häufigste Ursache für chronische Schmerzen ist eine Kombination aus langanhaltenden körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen – der sogenannte bio-psycho-soziale Dauerstress. Unser Gehirn verfügt über eine „Stress-Alarmanlage", die in bedrohlichen Situationen Stresshormone freisetzt.

Problematisch wird es vor allem, wenn der Stress nicht mehr endet. Anhaltender, chronischer Stress führt zu dauerhafter Muskelanspannung ohne Entspannungspausen. Diese Daueranspannung verändert das umliegende Gewebe, führt zu Mikroentzündungen und wird zu chronischen Schmerzen. Nervenschmerzen entstehen in der Psyche oft durch diese Kombination aus körperlicher Verspannung und seelischer Belastung.

Der Teufelskreis aus chronischen Schmerzen und Psyche

Chronische Schmerzen und die Psyche beeinflussen einander in einem sich selbst verstärkenden Kreislauf. Schmerzen erhöhen die Muskelverspannung, was zu Bewegungseinschränkungen und verstärkter Erschöpfung führt. Diese Einschränkungen verursachen Ärger, Angst und Mutlosigkeit, was den inneren Stress verstärkt.

In dieser Phase entwickelt sich das „Schmerzgedächtnis", was bedeutet, dass die Nerven überempfindlich werden und auf geringfügige Reize mit Schmerzsignalen reagieren. Psychosomatische Schmerzen entstehen durch die komplexe Interaktion zwischen körperlichen Verspannungen und seelischen Belastungen.

Psychosoziale Faktoren verstehen

Chronische Schmerzen treten häufig in besonderen Lebensumständen auf. Erfahrungen aus der Praxis zeigen:

  • Beschwerden treten zeitgleich mit Mobbing am Arbeitsplatz auf
  • Schmerzverstärkung setzt während Scheidung und beruflichen Zurückweisungen ein
  • „Unerklärliche" Rückenschmerzen zeigen sich bei familiären Belastungen

Diese Beispiele offenbaren, wie psychosomatische Schmerzen durch verschiedene Lebenssituationen ausgelöst werden können. Nervenschmerzen, ihre Verstärkung durch die Psyche und ihre Wechselwirkung mit körperlichen Symptomen sind oft das Resultat solcher komplexen Lebensumstände.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei körperlichen Verletzungen und sozialem Verlusterleben dieselbe Hirnregion aktiviert wird, die für Schmerzintensität zuständig ist. Seelischer Schmerz ist für die betroffene Person erwiesenermaßen ebenso real wie körperlicher Schmerz.

Multimodaler Behandlungsansatz bei psychosomatischen Schmerzen

In der Therapie chronischer Schmerzen steht ein multimodaler Ansatz innerhalb unseres Therapiemodells im Vordergrund, der verschiedene Behandlungsbausteine kombiniert:

  • Psychotherapie oder Verhaltenstherapie
  • Medikamentöse Therapie nach individueller Indikation
  • Körperliche Aktivierung durch Physiotherapie
  • Emotionales Training
  • Entspannungstechniken und Stressmanagement

Da unser Körper Schmerz erlernt und ein Schmerzgedächtnis anlegt, ist ein längerer Therapieprozess erforderlich, um den Teufelskreis von Schmerzerfahrung, Anspannung und Angst zu durchbrechen. Am Anfang sollte die Analyse der Gedanken und Verhaltensweisen stehen, die im Umgang mit Schmerz schmerzverstärkend wirken um dann alternative, günstigere Verhaltensweisen zu erarbeiten.

Psychosomatische Behandlung

Wenn chronische Schmerzen ohne eindeutige körperliche Ursache auftreten und mit psychosomatischen Beschwerden wie Herzrasen oder Atemnot einhergehen, kann eine psychosomatische Behandlung besonders sinnvoll sein. Diese konzentriert sich gleichermaßen auf körperliche und psychische Faktoren.

Die Behandlung psychosomatischer Schmerzen umfasst eine genaue Befundbetrachtung sowie psychologische Diagnostik. Gemeinsam werden Belastungsfaktoren analysiert sowie die private und berufliche Situation erfasst.

Nervenschmerzen und die Psyche als Komponente

Nervenschmerzen stehen in Beziehung zur Psyche, da sie durch Stress und emotionale Belastungen verstärkt werden. Nervenschmerzen können durch die Psyche sowohl ausgelöst als auch verstärkt werden. Umgekehrt führen anhaltende Nervenschmerzen oft zu Ängsten, Depressionen oder sozialer Isolation.

Präventive Maßnahmen, Hoffnung und Verständnis

Um chronische Schmerzen zu vermeiden, sind präventive Maßnahmen oftmals von großem Wert:

  • Unklare Schmerzen frühzeitig fachärztlich umfänglich abklären lassen
  • Somatische (körperliche) Erkrankungen umfassend behandeln lassen
  • Effektives Stress- und Zeitmanagement
  • Regelmäßige Erholungspausen
  • Sport oder Entspannungstechniken
  • Soziale Unterstützung annehmen
  • Offen über psychische Probleme sprechen

Psychosomatische Schmerzen sind kein Zeichen persönlicher Schwäche. Es sind reale Leiden, und sie müssen entsprechend behandelt werden. Das Ziel einer erfolgreichen Therapie ist es, Belastungen zu reduzieren, Strategien zur Schmerzkontrolle zu entwickeln und Lebensqualität zurückzugewinnen.

In der My Way® Klinik verstehen wir diese komplexen Zusammenhänge und bieten eine individuelle, auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung. Jeder Weg zur Heilung ist einzigartig. Wir begleiten Sie gerne und diskret auf Ihrem Weg zur Schmerzfreiheit.

Wenn Sie unter chronischen Schmerzen mit denkbarem Bezug auf die Psyche leiden, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der erste Schritt zur Besserung ist das Verstehen der Zusammenhänge – und den sind Sie mit diesem Beitrag bereits gegangen.