Organische Störungen, einschließlich der symptomatischen psychischen Erkrankungen (F04-F09)
Die Gruppe der organischen, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen umfasst eine Vielzahl von Erkrankungen, deren gemeinsames Merkmal eine diagnostizierte körperliche Ursache ist. Im Gegensatz zu psychischen Störungen, bei denen biologische, psychologische und soziale Faktoren in komplexer Wechselwirkung stehen, liegt hier eine direkt identifizierbare organische Ursache vor, so etwa eine Hirnerkrankung, eine Hirnverletzung, ein Schlaganfall oder eine systemische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Im ICD-10-Klassifikationssystem werden diese Störungen unter den Codes F04 bis F09 klassifiziert.
Charakteristisch für diesen Bereich ist, dass die auftretenden psychischen Symptome in ihrer Erscheinung den nicht-organischen Störungen sehr ähneln können. So ist eine organisch bedingte Depression klinisch kaum von einer eigenständigen depressiven Phase zu unterscheiden. Eine organische Psychose kann wie eine Schizophrenie aussehen. Deshalb ist die detaillierte Differenzialdiagnostik in diesem Bereich besonders wichtig. Eine gründliche Anamnese, neurologische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren sind häufig unerlässlich, um die organische Ursache zu identifizieren und von primär psychischen Erkrankungen abzugrenzen.
Gelingt es, die organische Ursache zu beheben oder zu lindern, bessern sich die psychischen Symptome oft automatisch deutlich oder verschwinden ganz. In anderen Fällen, zum Beispiel bei fortschreitenden Erkrankungen des Nervensystems, steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund und muss durch pflegerische und psychosoziale Unterstützung ergänzt werden. Der Verlauf kann dabei sehr unterschiedlich sein. Während ein Delir in vielen Fällen wieder heilbar ist, nehmen andere organische Störungen einen chronischen oder sogar fortschreitenden Verlauf. Diese Verschiedenartigkeit macht die Gruppe der F04–F09-Erkrankungen zu einem sehr schwierigen Bereich der Psychiatrie und Neurologie.