Affektive Störungen (F30-F39)
Affektive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und betreffen die Emotionen beziehungsweise das Gefühlsleben der betroffenen Menschen. Typisch ist, dass sich Stimmung, Motivation und emotionale Reaktionen deutlich verändern und über längere Zeit vom normalen Erleben abweichen. Die Bandbreite reicht von depressiven Episoden mit gedrückter Stimmung und Antriebslosigkeit bis hin zu manischen Phasen, die durch übersteigerte Stimmung, gesteigerte Aktivität und ein vermindertes Schlafbedürfnis gekennzeichnet sind. Im ICD-10-Klassifikationssystem werden diese Erkrankungen unter den Codes F30 bis F39 zusammengefasst.
Charakteristisch ist ein oft phasenhafter Verlauf. Viele Betroffene erleben wiederkehrende Episoden, zwischen denen sich die Stimmung teilweise normalisiert. Depressive Phasen gehen häufig mit Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und sozialem Rückzug einher, während manische Phasen durch gesteigertes Selbstvertrauen, Impulsivität und vermindertes Risikobewusstsein geprägt sind. Bei bipolaren Störungen wechseln sich depressive und manische Episoden ab, was für die Betroffenen besonders belastend sein kann.
Die Ursachen für affektive Störungen sind vielschichtig. Neben genetischen Faktoren spielen Veränderungen im Gehirnstoffwechsel, insbesondere im Bereich der Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, eine wichtige Rolle. Auch belastende Lebensereignisse, chronischer Stress oder traumatische Erfahrungen können zur Entstehung beitragen. Häufig wirken mehrere dieser Faktoren zusammen, sodass sich kein einzelner Auslöser benennen lässt.
Die Behandlung erfolgt in der Regel multimodal. Medikamente wie Antidepressiva oder Stimmungsstabilisierer werden mit psychotherapeutischen Verfahren, Alltagsstrukturierung und sozialer Unterstützung kombiniert. Der Verlauf ist individuell unterschiedlich und reicht von einzelnen Episoden bis hin zu wiederkehrenden oder chronischen Verläufen. Eine frühzeitige Diagnose verbessert in vielen Fällen die Prognose deutlich. Viele Betroffenen profitieren von einer individuellen Psychotherapie.