von Melissa Celmeur

Zwischen Sattsein und Sehnsucht: Food Noise

Mann hält sich genervt die Ohren zu, während ihn zahlreiche Speisen symbolisch umgeben – Darstellung von Food Noise und ständigen Gedanken an Essen.

Fast alle Menschen kennen den plötzlichen Appetit auf etwas Herzhaftes oder die Lust auf etwas Süßes. Aber bei manchen Menschen wird das Thema Essen zu einer gedanklichen Dauerschleife, die sich nicht beruhigen lässt – wie ein Ohrwurm, der einfach nicht verschwindet. Diese Menschen denken ständig darüber nach, was sie als Nächstes essen könnten, planen Mahlzeiten lange im Voraus oder beschäftigen sich selbst direkt nach dem Essen weiter mit Lebensmitteln. Für dieses Phänomen hat sich in den letzten Jahren der Begriff Food Noise etabliert: aufdringliche, wiederkehrende Gedanken rund um Essen, die sich nur schwer abschalten lassen. Fachleute beschreiben Food Noise als zwanghaftes Verhalten als eine Form gedanklicher Dauerbeschäftigung mit Nahrung, die unabhängig von echtem Hunger auftreten kann. Es kann somit eine behandlungsbedürftige Zwangsstörung vorliegen.

Warum manche Menschen ständig ans Essen denken

Viele von Food Noise Betroffene berichten, dass sie ständig ans Essen denken, obwohl sie zum Beispiel gerade gegessen haben. Das Gehirn beschäftigt sich ununterbrochen mit Fragen wie „Was esse ich später?“, „Darf ich dieses oder jenes essen?“ oder „Sollte ich lieber etwas anderes essen?“. Dieses Grübeln kann teilweise den Gedankenschleifen ähneln, die man auch von Angststörungen oder Depressionen kennt.

Hinzu kommt, dass bestimmte Hormone die Aufmerksamkeit auf Nahrung lenken können. Hungerfördernde Botenstoffe wie Ghrelin können die gedankliche Beschäftigung mit Essen verstärken, während Sättigungssignale diesen Effekt eher abschwächen. Auch Stress, Schlafmangel oder strenge Diäten können dazu beitragen, dass Menschen geradezu zwanghaft  ständig ans Essen denken und sich nur schwer auf andere Dinge konzentrieren können.

Kann Food Noise auf eine Essstörung hinweisen?

Food Noise ist noch nicht automatisch eine Essstörung. Dennoch weisen Experten darauf hin, dass das Phänomen im Zusammenhang mit verschiedenen Formen von Essstörungen auftreten kann. Besonders bei restriktivem Essverhalten, Essanfällen oder einer langjährigen Diätgeschichte wird das gedankliche Kreisen um Nahrung häufig beobachtet.

Die ständige mentale Beschäftigung kostet Energie. Viele Betroffene erleben Schuldgefühle, Frustration oder das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben. Gerade bei Menschen mit einer bestehenden Essstörung, zum Beispiel Magersucht, kann sich durch Food Noise ein belastender Kreislauf entwickeln, der die Symptome zusätzlich verstärkt.

Food Noise loswerden – welche Strategien helfen?

Viele Menschen, die ständig ans Essen denken, suchen nach Wegen, Food Noise wieder loswerden zu können. Dabei geht es nicht darum, niemals mehr an Essen denken zu wollen, sondern vielmehr darum, dass die Ernährung wieder einen angemessenen Platz im Leben einnimmt.

Hilfreich kann zunächst sein, regelmäßige Mahlzeiten einzuhalten und extreme Verbote zu vermeiden. Wenn man dauerhaft zu wenig isst oder sich bestimme Lebensmittel „verbietet“, verstärkt man häufig ungewollt die gedankliche Fixierung auf Nahrung. Auch ausreichender Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress können dazu beitragen, Food Noise loswerden zu können.

Ebenso wichtig ist es, die eigenen Auslöser zu kennen. Manche Menschen bemerken selbst, dass sie zwanghaft nahezu ständig ans Essen denken, wenn sie unter Druck stehen, sich einsam fühlen oder negative Emotionen erleben. Das Erkennen solcher Muster ist oft ein wichtiger erster Schritt.

Wenn Food Noise zur Belastung wird

Wer dauerhaft unter Food Noise leidet, ohne ihn loswerden zu können, und das Gefühl hat, den Gedanken nicht mehr zu entkommen, sollte professionelle Unterstützung in Betracht ziehen. Insbesondere dann, wenn Arbeit, Beziehungen oder Lebensqualität darunter leiden.

Psychotherapeutische Verfahren können helfen, die zugrunde liegenden Muster besser zu verstehen und neue Strategien zu entwickeln. Das gilt besonders dann, wenn hinter dem Problem eine Essstörung, Zwangsstörung oder andere psychische Belastungen stehen. Oft führt der eigene Wunsch, endlich Food Noise loswerden zu können, viele Menschen erstmals in eine therapeutische Behandlung.

In der My Way® Klinik betrachten wir Essstörungen und belastende Essensgedanken nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit der gesamten Lebensgeschichte eines Menschen. Gemeinsam mit unserem therapeutischen Team kann herausgefunden werden, warum das Gehirn so stark auf Essen fokussiert ist und welche individuellen Wege dabei helfen können, Food Noise loszuwerden und innere Ruhe zu finden. Kontaktieren Sie uns!