von Melissa Celmeur
Die 5 Phasen der Depressionen verstehen und erkennen
Manchmal schleicht sich eine Art Erschöpfung ganz leise ein. Dann verliert langsam die tägliche Arbeit ihren Sinn, dann ziehen sich soziale Kontakte scheinbar oder tatsächlich zurück, und irgendwann fühlt sich der Morgen schwerer an als der Abend zuvor. Was viele Betroffene zuerst noch als eine „schlechte Phase" abtun, kann der Beginn einer handfesten Depression sein – einer psychischen Erkrankung, die jeden treffen kann, unabhängig von Alter, Beruf oder Lebenssituation.
Um das Erleben dieser Erkrankung besser beschreibbar zu machen, gibt es verschiedene Erklärungsmodelle. Eines davon bezeichnet die sogenannten 5 Phasen der Depression. Sie gehen auf Arbeiten der Psychologin Elisabeth Kübler-Ross zurück. Sie sind fachlich umstritten. Depressionen sind weder in den offiziellen Klassifikationssystemen ICD oder dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) in Stadien definiert, noch gibt es fundierte Studien, die eine typische Reihenfolge von Symptomen belegen wie die genannten fünf Phasen, denn es gibt nicht die festgelegten Phasen, sondern „nur“ Symptome, die in ihrer Kombination die Diagnose Depression absichern.
Gleichwohl finden sich Betroffene in den 5 Phasen der Depression wieder, und viele Menschen können damit das eigene Erleben besser verstehen.
Wo Therapie ansetzt: die Depression und ihre Phasen
Phase 1: Negative Gedanken verdrängen alles andere
In der ersten dieser 5 Phasen der Depression verändert sich das Denken schleichend. Der Pessimismus nimmt überhand, Freude an Dingen, die früher selbstverständlich Kraft gaben, bleibt aus. Betroffene ziehen sich zurück, Gedanken kreisen immer wieder um Versagen, Sinnlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit. Weil diese Phase oft sehr langsam beginnt, wird sie selten als Warnsignal erkannt.
Phase 2: Veränderter Appetit als körperliches Signal
In dieser Phase verändert sich das Essverhalten deutlich. Manche essen kaum noch, andere greifen dauerhaft zu Essen, um emotionale Leere zu füllen. Beides sind körperliche Begleitsymptome, die darauf hinweisen, dass die Psyche aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Phase 3: Schlafstörungen rauben die letzte Erholung
Schlaf sollte Regeneration sein, doch in der dritten Phase der Depression wird er zur Belastung. Einschlafschwierigkeiten, häufiges Aufwachen in der Nacht oder frühes Erwachen mit endlos kreisenden Gedanken sind typisch. Der Schlafmangel verschlechtert die ohnehin belastete Stimmung zusätzlich und verstärkt das Gefühl, in einer Spirale gefangen zu sein, aus der es keinen Ausweg gibt.
Phase 4: Schuldgefühle und Selbstkritik
Intensive Scham- und Schuldgefühle prägen die vierte Phase. Betroffene machen sich selbst für alles verantwortlich, so für die eigene Erkrankung, für das Leid der Familie, für vermeintliches Versagen in der Vergangenheit. Diese Selbstbeschuldigung ist ein typisches Merkmal schwerer depressiver Episoden und sollte immer Anlass sein, professionelle Unterstützung zu suchen. Eine Therapie für Depression kann gerade an diesem Punkt entscheidend dazu beitragen, verzerrte Denkmuster zu erkennen und aufzubrechen.
Phase 5: Wenn die Gedanken in die Dunkelheit führen
Dies gilt als die schwerste der 5 Phasen der Depression. Sie ist durch Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid gekennzeichnet. Diese Phase kann den medizinischen Notfall begründen, nämlich wenn aus Gedanken Absichten erwachsen können. Wer bei sich dieses bemerkt oder bei jemandem wahrnimmt, dem er nahesteht, sollte sofort handeln und den Notarzt bemühen. Akute Suizidalität mit Eigengefährdung bedarf der geschlossenen Unterbringung. Wenn es „nur“ bei der gedachten Option bleibt, also zum Beispiel das Denken: „Am besten wäre ich nicht mehr da!“ bedarf es nicht der geschlossenen Unterbringung. Allerdings wird dringend die professionelle Behandlung empfohlen, damit es nicht zu den Weiterungen kommt. Die My Way® Psychiatrische Klinik steht hierfür zur Verfügung.
Depression ist individuell und behandelbar
So nachvollziehbar diese 5 Phasen der Depression als Modell klingen, in der Realität verläuft eine Depression tatsächlich selten geradlinig. Daher kann die Beachtung des Modells der Phasen sogar schädlich sein, zum Beispiel wenn man sich sicherer fühlt, wenn man eine Phase noch nicht erreicht hat. Manche Menschen erleben einzelne Phasen besonders intensiv, andere spüren sie kaum. Manche kehren in frühere Phasen zurück, nachdem es vorübergehend besser zu werden schien. Das ist das unberechenbare Wesen dieser komplexen Erkrankung. Und manche Phasen kommen einfach gar nicht vor. Daher ist die professionelle wissenschaftlich abgesicherte Diagnostik vorzuziehen, wie es die Leitlinien mit dem ICD vorgeben und wonach sich im Übrigen auch Gutachter und Krankenversicherungen orientieren. Die My Way® Klinik bietet am Ende der Seite zur Depression einen Selbsttest an, der hier verlinkt ist. Es werden die typischen Symptome abgefragt. Die Zahl der Symptome ergibt den Schweregrad. Dabei ist zu beachten, dass die normalen Stimmungsschwankungen auszuklammern sind und die Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen aufgetreten sein sollten. Akute Krisen sind davon unberührt.
Entscheidend ist es, sich vor Augen zu führen, dass eine Depression in den wenigsten Fällen von allein verschwindet. Sie braucht Aufmerksamkeit, Verständnis und professionelle Behandlung. Eine geeignete Therapie gegen Depression verbindet in der Regel psychotherapeutische Gespräche, bei Bedarf medikamentöse Unterstützung sowie begleitende Maßnahmen wie Bewegung, Achtsamkeit und Ernährung.
My Way® Klinik für Ihren individuellen Weg
Eine Therapie für Depression beginnt immer mit einem Gespräch. Nicht mit einer schnellen Diagnose, sondern mit dem Zuhören. In unserer spezialisierten My Way® Klinik erhalten die von Depressionen Betroffenen Zeit, Raum und ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept, das den ganzen Menschen in den Blick nimmt.
In der My Way® Klinik begleiten wir Menschen, die sich in einer Depression befinden, auf ihrem ganz persönlichen Weg zurück ins Leben. Unser Therapiemodell verbindet Einzelpsychotherapie mit störungsspezifischen Modulen wie Achtsamkeitstraining, emotionalem Training und Selbstmanagement. Wir arbeiten diskret, ganzheitlich und immer am Menschen orientiert, denn jede Depression ist anders, und jeder Weg aus ihr heraus ist es ebenfalls.