von Melissa Celmeur

Somatoforme Störung plus Depression – Achtsamkeitsbasierte Verfahren und Körperwahrnehmung

Eine Hand hält einen glatten Stein über konzentrischen Kreisen im Sand alsSymbol für Achtsamkeit und innere Ruhe

Körperliche Beschwerden ohne eindeutige organische Ursache können für Betroffene extrem belastend sein. Diffuse Schmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder Erschöpfung beeinträchtigen ihren Alltag erheblich. Hinzu kommt in vielen Fällen eine psychische Begleitproblematik. Häufig treten eine somatoforme Störung und eine Depression gemeinsam auf, was den Leidensdruck deutlich erhöht. In den letzten Jahren haben sich achtsamkeitsbasierte Verfahren und ein gezieltes Training der Körperwahrnehmung als vielversprechende Ergänzungen in der Behandlung von somatoformen Störungen in Komorbidität mit Depressionen und Komorbidität mit Angststörungen herausgestellt.

Komorbidität mit Depressionen: Wechselwirkungen von Körper und Psyche

Eine somatoforme Störung, mit oder ohne Depression, bedeutet nicht, dass die Symptome eingebildet sind. Der Schmerz wird weder absichtlich erzeugt noch vorgetäuscht. Er ist real und spürbar, auch wenn keine ausreichende medizinische Erklärung gefunden werden kann. Gerade diese Unsicherheit verstärkt die innere Anspannung und führt dazu, dass Betroffene noch sensibler auf Körpersignale reagieren. Dies kann zu einer Komorbidität mit Depressionen führen. So eine Komorbidität mit Depressionen kann Antriebslosigkeit, negative Gedanken und Hoffnungslosigkeit verstärken. Nicht selten chronifiziert sich das Leiden.

Auch die Komorbidität mit Angststörung tritt häufig auf. Ängstliche Erwartungshaltungen können den Fokus auf körperliche Symptome verstärken und so den Teufelskreis aus Anspannung, Symptomwahrnehmung und Sorge weiter antreiben. Kommt es zu einer Angststörung in Zusammenhang mit einer somatoformen Störung, wächst die innere Belastung und die Lebensqualität nimmt erheblich ab.

Achtsamkeit als neuer Zugang

Achtsamkeitsbasierte Verfahren wie die Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) oder die Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT) setzen genau hier an. Ursprünglich für Stressbewältigung und Rückfallprophylaxe bei Depressionen entwickelt, werden sie zunehmend auch bei somatoformen Beschwerden erfolgreich eingesetzt. Studien zeigen, dass sich durch Achtsamkeit depressive Symptome, Stress und körperliche Beschwerden verringern können.

Ein wesentlicher Wirkfaktor ist die Förderung von Selbstmitgefühl und Emotionsregulation. Statt mit Ablehnung oder Angst auf körperliche Empfindungen zu reagieren, lernen Betroffene, ihre Symptome mit Offenheit und Akzeptanz wahrzunehmen. Besonders bei einer Komorbidität mit Depressionen oder einer Komorbidität mit Angststörungen können diese Fähigkeiten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, aus dem Kreislauf von Grübeln, Anspannung und Schmerz herauszutreten.

Die Rolle der Körperwahrnehmung

Viele Menschen mit Angststörungen oder somatoformen Störungen nehmen ihren Körper vor allem durch Beschwerden wahr. Achtsamkeitsbasierte Körperübungen wie

  • Atemübungen zur bewussten Wahrnehmung des eigenen Rhythmus
  • Bodyscan, bei dem die Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Körperregionen gelenkt wird
  • sanfte Bewegungsübungen, die Spannungen lösen und den Körper positiv erfahrbar machen

eröffnen einen neuen Zugang. Betroffene spüren dann nicht mehr nur Schmerz und Anspannung, sondern ebenso neutrale oder sogar angenehme Empfindungen. Dies trägt dazu bei, das Körperbild zu verändern und Vertrauen in den eigenen Organismus zurückzugewinnen.

Ein zentrales Ergebnis der Forschung ist, dass die Intensität der Beschwerden sinken kann, wenn Menschen achtsam und nicht wertend auf ihre Körpersignale reagieren. Gerade in Fällen, in denen eine somatoforme Störung und eine Depression gemeinsam auftreten, wirkt dieser Ansatz entlastend und stärkt die Selbstwirksamkeit.

Achtsamkeit gegen somatoforme Störung, Depression und Angststörungen

In der Praxis werden achtsamkeitsbasierte Verfahren zunehmend als ergänzende Therapiebausteine eingesetzt. Patientinnen und Patienten mit einer somatoformen Störung in Komorbidität mit Depressionen profitieren von der Kombination klassischer Psychotherapie mit Achtsamkeitsübungen. Sie lernen, Beschwerden anders einzuordnen und die Kontrolle über ihr Erleben zurückzugewinnen.

Bei einer Komorbidität mit Depressionen steht häufig die Arbeit an sogenannten „Grübelgedanken“ und negativen Denkmustern im Vordergrund. Achtsamkeit kann helfen, diese Muster bewusst wahrzunehmen und nicht automatisch von ihnen bestimmt zu werden. Liegt zusätzlich eine Komorbidität mit Angststörungen vor, sind Übungen hilfreich, die auf körperliche Entspannung und den Abbau von Stress abzielen. So entsteht Schritt für Schritt ein neuer Umgang mit den Symptomen.

Neue Wege zu mehr Lebensqualität

Somatoforme Störungen in Verbindung mit Depressionen stellen für Betroffene und Therapeuten gleichermaßen eine Herausforderung dar. Durch die Verbindung von Körper und Psyche ist die Symptomatik komplex, aber auch empfänglich für innovative, ganzheitliche Therapieansätze, wie zum Beispiel das Therapiemodell der My Way® Klinik. Achtsamkeitsbasierte Verfahren und Körperwahrnehmung durch Psychotherapie und Physiotherapie können dabei neue Perspektiven eröffnen.

Indem Betroffene lernen, ihre Symptome nicht als Bedrohung, sondern als Signale zu verstehen, entsteht die Möglichkeit für Veränderung. Bei einer somatoformen Störung, auch in Komorbidität mit Depressionen, kann dies entscheidend sein.