F98: Andere Verhaltensstörungen und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F98 umfasst verschiedene psychische Störungsbilder, die typischerweise in der Kindheit oder Jugend beginnen. Die Gruppe ist sehr vielfältig beinhaltet sowohl Ausscheidungsstörungen als auch Auffälligkeiten beim Essen sowie Sprach- und Bewegungsstörungen. Auch bestimmte Verhaltensmuster, die im ICD-10 nicht anderweitig kategorisiert sind, können unter F98 eingeordnet werden. Eine Verhaltensstörung oder emotionale Störung kann für betroffene Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien eine erhebliche Belastung darstellen. Eine fachgerechte und möglichst frühzeitige Diagnostik hilft dabei, Beschwerden richtig einzuordnen und geeignete Behandlungs- und Bewältigungsmöglichkeiten zu finden.
So erkennt man eine Verhaltensstörung oder emotionale Störung
Die Diagnose F98 beinhaltet mehrere Störungsbilder, die sich zum Teil stark unterscheiden. Gemeinsam ist immer der Krankheitsbeginn im Kindes- oder Jugendalter. Zu den Verhaltensstörungen nach F98 gehören:
Nichtorganische Enuresis
- wiederholtes Einnässen, obwohl keine organische Ursache vorliegt
- zum Teil begleitet von schweren Verhaltensstörungen oder emotionalen Störungen
Nichtorganische Enkopresis
- wiederholtes Einkoten oder Absetzen von Kot an soziokulturell nicht akzeptierten Plätzen ohne ausreichende organische Erklärung
- oft als Teil eines umfassenden Krankheitsbildes, insbesondere in Kombination mit Störungen nach F93.- (Emotionale Störung) oder F91.- (Störung des Sozialverhaltens)
Fütterstörung im frühen Kindesalter
- extrem wählerisches Essverhalten bei angemessenem Nahrungsangebot ohne vorhandene organische Krankheit
- wiederholtes Heraufwürgen von Nahrung ohne Übelkeit oder ursächliche Krankheit
Pica im Kindesalter
- wiederholtes Essen von nicht essbaren Substanzen, zum Beispiel Erde, Farbe oder Papier
- kann als Symptom von Autismus oder einer Intelligenzminderung auftreten
Stereotype Bewegungsstörungen
- wiederholte, scheinbar zwecklose und oft rhythmische Bewegungen wie Schaukeln von Kopf und Körper, Schnipsen oder Händeschütteln
- teilweise mit selbstverletzendem Verhalten, zum Beispiel Schlagen von Wänden oder des eigenen Gesichts, Beißen unterschiedlicher Körperteile, Bohren in den Augen
Stottern
- Stammeln: Unterbrechungen, Wiederholungen oder Verlängerungen des Redeflusses
Poltern
- auffällig schnelles oder unregelmäßiges Sprechen mit Beeinträchtigungen der Verständlichkeit
Andere Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend äußern sich beispielsweise als Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsstörungen ohne bestehende Hyperaktivität oder in Verhaltensmustern wie Daumenlutschen, exzessive Masturbation, Nägelkauen oder Nasenbohren.
Mögliche Ursachen für Störungen nach ICD-10 F98
Die Ursachen der unter F98 zusammengefassten Störungen sind sehr unterschiedlich. Neben entwicklungsbedingten Faktoren können psychische Belastungen, familiäre Konflikte, Veränderungen im Lebensumfeld oder schwierige Erfahrungen eine Rolle spielen. Auch individuelle Besonderheiten der Entwicklung oder das Bestehen einer Intelligenzminderung können die Entstehung oder Aufrechterhaltung bestimmter Beschwerden begünstigen. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
Auffälliges Verhalten sollte nicht vorschnell als Erkrankung interpretiert werden. Kinder können Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von belastenden Erfahrungen mit körperlichen Symptomen, Verhaltensweisen oder Veränderungen im Alltag ausdrücken, ohne dass ein krankhaftes Störungsbild vorliegt. Eine ärztliche Untersuchung unterstützt bei der Einordnung und Abklärung der Symptome.
Diagnostik nach ICD-10 F98
Am Anfang der Diagnostik steht eine ausführliche Erfassung der Beschwerden und der bisherigen Entwicklung. Dabei werden unter anderem der Zeitpunkt des Auftretens, die Häufigkeit und Intensität der Symptome sowie mögliche Auslöser betrachtet. Bei der Diagnose von Kindern und Jugendlichen ist immer auch das familiäre, schulische und soziale Umfeld von Bedeutung.
Je nach Störungsbild können zusätzliche körperliche Untersuchungen, psychologische Testverfahren oder Gespräche mit Eltern und anderen Bezugspersonen sinnvoll sein. Gleichzeitig gilt es, körperliche Erkrankungen und andere psychische Störungen als mögliche Ursachen oder Begleiter auszuschließen. Die Diagnose wird daher immer individuell und unter Berücksichtigung der gesamten Entwicklung gestellt.
Therapiemaßnahmen zur Behandlung von Verhaltensstörungen und emotionaler Störungen
Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Störungsbild, dem Alter und den individuellen Bedürfnissen der betroffenen Person. Eine Psychotherapie kann dabei helfen, belastende Verhaltensmuster zu verstehen, emotionale Schwierigkeiten zu bearbeiten und neue Strategien für den Umgang mit herausfordernden Situationen zu entwickeln. Je nach Problematik können beispielsweise verhaltenstherapeutische Methoden, Übungen zur Emotionsregulation oder eine gezielte Unterstützung bei sozialen und kommunikativen Schwierigkeiten eingesetzt werden.
Bei Kindern und Jugendlichen ist die Einbeziehung der Eltern und anderer wichtiger Bezugspersonen häufig ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Sie können dabei unterstützt werden, Sicherheit und verlässliche Strukturen zu vermitteln und angemessen auf die Beschwerden zu reagieren. Ziel ist es, das betroffene Kind in seiner Entwicklung zu stärken und den Leidensdruck im Alltag zu reduzieren.
Durch eine geeignete Behandlung im Kindes- beziehungsweise Jugendalter können die Beschwerden häufig gelindert werden. Im Erwachsenenalter können jedoch unter anderem ein gestörtes Selbstwertgefühl, depressive Episoden oder ein erhöhtes Suchtpotenzial auftreten. In der My Way Klinik® erhalten betroffene Erwachsene eine ausführliche Diagnostik und individuell gestaltete Therapien, die bei der Alltagsbewältigung helfen.
Einteilung von Verhaltensstörungen und emotionaler Störungen in F98 nach ICD-10
Die Störungen, die in F98 gelistet sind, sind in vielen Aspekten unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen fast ausschließlich der Beginn der Erkrankung in der Kindheit oder Jugend. Bei den Störungen handelt es sich sowohl um klar definierte Syndrome als auch um breit gefasste Symptomkomplexe, die medizinisch relevant sind, sich jedoch nicht anderweitig kategorisieren lassen.
- F98.0-: Nichtorganische Enuresis
- F98.1: Nichtorganische Enkopresis
- F98.2: Fütterstörung im frühen Kindesalter
- F98.3: Pica im Kindesalter
- F98.4-: Stereotype Bewegungsstörungen
- F98.5: Stottern [Stammeln]
- F98.6: Poltern
- F98.8-: Sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
- F98.9: Nicht näher bezeichnete Verhaltens- oder emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend