F93: Emotionale Störungen des Kindesalters
Der Diagnosecode F93 fasst in der ICD-10 verschiedene emotionale Störungen des Kindesalters zusammen. Dazu gehören unter anderem Trennungsängste, phobische Störungen und soziale Ängstlichkeit. Im Mittelpunkt stehen emotionale Reaktionen, die im Zusammenhang mit der kindlichen Entwicklung auftreten, ungewöhnlich stark ausgeprägt sind und den Alltag des Kindes deutlich beeinträchtigen können.
Emotionale Unsicherheiten und Ängste gehören grundsätzlich zur Entwicklung von Kindern. Eine F93-Diagnose kommt deshalb nicht bereits bei gelegentlichen Ängsten, Sorgen oder Schwierigkeiten mit Veränderungen infrage. Entscheidend sind unter anderem die Ausprägung, die Dauer und die Auswirkungen auf die soziale und familiäre Entwicklung. Ein wichtiges Merkmal der F93-Diagnosen ist der Bezug zum jeweiligen Entwicklungsalter.
Emotionale Störung und die Symptome: Wie können sie sich zeigen?
Emotionale Störungen des Kindesalters können sich sehr unterschiedlich äußern. Manche Kinder reagieren besonders stark auf die Trennung von ihren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen. Andere entwickeln ausgeprägte Ängste in bestimmten Situationen oder ziehen sich aus sozialen Situationen zurück. Mögliche Symptome einer emotionalen Störung des Kindesalters sind:
- starke Angst vor der Trennung von vertrauten Bezugspersonen
- ausgeprägte Sorgen und Befürchtungen
- Angst vor bestimmten Situationen oder Dingen
- deutliche Unsicherheit im Kontakt mit fremden Menschen
- Vermeidung sozialer Situationen
- Schwierigkeiten, sich von Eltern oder anderen Bezugspersonen zu lösen
- ungewöhnlich starke emotionale Reaktionen auf Veränderungen
- Rückzug und Einschränkungen im sozialen Alltag
Bei einer emotionalen Störung geht es dabei nicht allein darum, dass ein Kind ängstlich oder zurückhaltend ist. Relevant wird die Symptomatik vor allem dann, wenn Ängste und emotionale Reaktionen deutlich über das hinausgehen, was für die jeweilige Entwicklungsphase zu erwarten ist, und dadurch soziale Funktionen oder den Alltag beeinträchtigt werden.
Wie kommt es zu einer emotionalen Störung des Kindesalters?
Für die Entstehung emotionaler Störungen gibt es in der Regel nicht einen einzelnen Auslöser. Emotionale Entwicklung wird von verschiedenen individuellen und sozialen Faktoren beeinflusst. Auch die jeweilige Entwicklungsphase spielt eine wichtige Rolle.
Kinder können beispielsweise auf Veränderungen in ihrem Umfeld, neue soziale Situationen oder Trennungserfahrungen besonders empfindlich reagieren. Welche Faktoren im Einzelfall eine Rolle spielen, lässt sich nur im Rahmen einer individuellen diagnostischen Einschätzung beurteilen.
Der Weg zur F93-Diagnose
Eine emotionale Störung des Kindesalters lässt sich nicht anhand eines einzelnen Tests feststellen. Für die Diagnostik ist vielmehr das gesamte Erscheinungsbild des Kindes entscheidend. Dabei werden unter anderem die Art und Stärke der Ängste, ihre Dauer, das Alter des Kindes und die Auswirkungen auf den Alltag betrachtet.
Bei Kindern werden häufig die Eltern oder andere enge Bezugspersonen in die diagnostischen Gespräche einbezogen. Je nach Situation können zusätzlich Informationen aus Kindergarten oder Schule hilfreich sein. Auch andere mögliche Ursachen für die Beschwerden müssen berücksichtigt werden.
Die ICD-10 grenzt emotionale Störungen des Kindesalters von anderen psychischen Störungen ab. So wird beispielsweise eine Trennungsangst des Kindesalters unter F93.0 eingeordnet, während andere Angststörungen unter den entsprechenden Kategorien des Bereichs F40-F48 klassifiziert werden.
Mit der frühzeitigen Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie können die Beschwerden häufig gelindert werden. Im Erwachsenenalter kommen häufig Störungen des Selbstwertgefühls und depressive Episoden hinzu, auch ist durch Überdosierungen oder Selbstmedikation Suchtpotential vorhanden. Betroffene Erwachsene erhalten in der My Way® Privatklinik eine umfassende Diagnostik sowie eine individuell abgestimmte Therapie.
Welche Diagnosen gehören zum ICD-10-Code F93?
Die ICD-10-GM 2026 unterscheidet mehrere Formen emotionaler Störungen des Kindesalters.
- F93.0 Emotionale Störung mit Trennungsangst des Kindesalters: Die Angst vor der Trennung von wichtigen Bezugspersonen steht im Mittelpunkt und ist für das Entwicklungsalter ungewöhnlich stark oder lang anhaltend.
- F93.1 Phobische Störung des Kindesalters: Hier treten ausgeprägte Ängste auf, die einen deutlichen Bezug zu bestimmten Entwicklungsphasen haben.
- F93.2 Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters: Betroffene Kinder zeigen eine ungewöhnlich starke soziale Unsicherheit oder Angst gegenüber fremden beziehungsweise sozial bedrohlich erlebten Situationen.
- F93.3 Emotionale Störung mit Geschwisterrivalität: Eifersucht oder emotionale Reaktionen auf ein jüngeres Geschwisterkind sind ungewöhnlich stark ausgeprägt, dauern übermäßig lange an und können die sozialen Beziehungen beeinträchtigen.
- F93.8 Sonstige emotionale Störungen des Kindesalters: Hierzu gehören unter anderem Identitätsstörungen und Störungen mit Überängstlichkeit.
- F93.9 Emotionale Störung des Kindesalters, nicht näher bezeichnet: Diese Kategorie wird verwendet, wenn eine emotionale Störung des Kindesalters vorliegt, sich jedoch keiner genaueren Unterkategorie zuordnen lässt.