F83: Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung

Die F83-Diagnose beschreibt im ICD-10 kombinierte umschriebene Entwicklungsstörungen. Sie wird vergeben, wenn mehrere Entwicklungsbereiche gleichzeitig betroffen sind, ohne dass eine einzelne Störung eindeutig im Vordergrund steht. Häufig bestehen gleichzeitig Auffälligkeiten der Sprache, der motorischen Entwicklung sowie der schulischen Fertigkeiten. Die Einschränkungen sind so eng miteinander verbunden, dass sie sich keiner einzelnen Diagnose wie F80, F81 oder F82 eindeutig zuordnen lassen.

Die Entwicklungsauffälligkeiten beginnen bereits in der frühen Kindheit und können sich auf das Lernen, die soziale Teilhabe und den Alltag erheblich auswirken. Eine frühzeitige Diagnostik ist deshalb wichtig, um geeignete Fördermaßnahmen einzuleiten.

Wie äußern sich kombinierte Entwicklungsstörungen?

Die Beschwerden unterscheiden sich von Kind zu Kind. Gemeinsam ist ihnen, dass mehrere Entwicklungsbereiche gleichzeitig beeinträchtigt sind.

Typische Anzeichen können sein:

  • verzögerte Sprachentwicklung und eingeschränkter Wortschatz
  • Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen
  • Probleme der Fein- und Grobmotorik
  • verlangsamtes Erlernen neuer Fähigkeiten
  • Konzentrationsprobleme zum Beispiel in der Schule
  • Unsicherheit bei alltäglichen Aufgaben und sozialen Anforderungen

Durch die Kombination verschiedener Entwicklungsstörungen entstehen häufig größere Einschränkungen, was zu vermehrten Misserfolgen der Kinder führen kann. Dadurch kann das Selbstvertrauen stark belastet werden.

Welche Ursachen kommen infrage?

Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Kenntnisstand spielen genetische und neurobiologische Faktoren eine wesentliche Rolle. Vermutlich entwickeln sich Hirnfunktionen, die die Sprache, Motorik und Lernen steuern, nicht altersgerecht.

Die umschriebenen kombinierten Entwicklungsstörungen entstehen nicht durch mangelnde Intelligenz, fehlende Motivation oder eine unzureichende schulische Förderung. Vielmehr handelt es sich um eigenständige Entwicklungsstörungen, die häufig bereits im Vorschulalter erkennbar werden.

Diagnostik und Behandlung

Die Diagnose erfolgt durch eine umfassende kinder- und jugendpsychiatrische oder psychologische Untersuchung. Dabei werden die verschiedenen Entwicklungsbereiche systematisch beurteilt und andere Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen. Ziel ist es, die individuellen Stärken und Einschränkungen möglichst genau zu erfassen.

Die Behandlung richtet sich nach den jeweils betroffenen Entwicklungsbereichen. Häufig werden Sprachtherapie, Ergotherapie, Lernförderung und psychotherapeutische Unterstützung miteinander kombiniert. Ebenso wichtig ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule, Therapeutinnen und Therapeuten sowie behandelnden Ärztinnen und Ärzten.

Mit der frühzeitigen Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vermindern sich die Störungen oftmals. Im Erwachsenenalter kommen häufig Störungen des Selbstwertgefühls und depressive Episoden hinzu. Betroffene Erwachsene erhalten in der My Way® Privatklinik eine umfassende Diagnostik sowie eine individuell abgestimmte Therapie.

ICD-10 Unterklassifikationen der F83-Diagnose

Für F83, kombinierte umschriebene Entwicklungsstörungen, sind im ICD-10 keine offiziellen Unterklassifikationen vorgesehen. Die Diagnose wird verwendet, wenn mehrere umschriebene Entwicklungsstörungen gleichzeitig bestehen und keine einzelne Störung das klinische Bild eindeutig dominiert.