F81: Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten
Eine der vielen Diagnosen im ICD-10, die F81, umfasst die sogenannten umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten von Kindern. Gemeint sind anhaltende und deutlich ausgeprägte Schwierigkeiten beim Erlernen bestimmter Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben oder Rechnen, obwohl die allgemeine Intelligenz altersgerecht entwickelt ist und ausreichende Lernmöglichkeiten bestehen. Die Ursachen können in einer neurobiologischen Entwicklungsstörung liegen und sind nicht auf mangelnde Begabung oder fehlenden Unterricht zurückzuführen.
Betroffene Kinder fallen oft erstmals in der Grundschule auf. Ohne gezielte Förderung können die Schwierigkeiten bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben und sich auf Ausbildung und Beruf, und als Folge davon auf das Selbstwertgefühl auswirken.
Welche Beschwerden treten bei F81 auf?
Die Symptome unterscheiden sich je nach Art der Entwicklungsstörung. Manche Kinder haben vor allem Probleme beim Lesen, andere beim Schreiben oder Rechnen. Häufig bestehen auch kombinierte Schwierigkeiten.
Typische Anzeichen sind:
- deutlich verlangsamtes oder fehlerhaftes Lesen
- Schwierigkeiten beim Rechtschreiben trotz regelmäßigen Übens
- ausgeprägte Probleme beim Rechnen und Zahlenverständnis
- häufige Flüchtigkeitsfehler bei schulischen Aufgaben
- Frustration, Schulangst oder sinkendes Selbstwertgefühl
- Vermeidung von Lese-, Schreib- oder Rechenaufgaben
Nicht jedes Kind mit schulischen Schwierigkeiten erfüllt die Kriterien einer F81-Diagnose. Erst wenn die Leistungen deutlich unter dem altersentsprechenden Niveau liegen und die Probleme über längere Zeit bestehen, kommt eine entsprechende Diagnose infrage.
Wie entstehen umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten?
Nach heutigem Wissensstand spielen genetische und neurobiologische Faktoren für die Entstehung von F81 eine wesentliche Rolle. Die Verarbeitung sprachlicher oder mathematischer Informationen im Gehirn verläuft anders als bei Kindern ohne diese Entwicklungsstörung. Eine mangelnde Förderung, fehlende Motivation oder eine geringe Intelligenz gelten dagegen nicht als Ursache.
Häufig treten gleichzeitig weitere Entwicklungsstörungen oder psychische Belastungen auf. Dazu gehören beispielsweise Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Angststörungen oder depressive Symptome, die den schulischen Alltag zusätzlich erschweren können.
Diagnostik und Behandlung
Die Diagnose gemäß dem ICD-10-Codes für F81 erfolgt durch eine umfassende kinder- und jugendpsychiatrische beziehungsweise psychologische Untersuchung. Dabei werden standardisierte Testverfahren eingesetzt, um die schulischen Leistungen mit dem allgemeinen Entwicklungsstand zu vergleichen. Gleichzeitig müssen andere Ursachen wie Seh- oder Hörstörungen, neurologische Erkrankungen oder eine unzureichende Beschulung ausgeschlossen werden.
Die Behandlung dieser umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fähigkeiten richtet sich nach den individuellen Schwierigkeiten. Im Mittelpunkt stehen spezielle Fördermaßnahmen. Ergänzend können psychotherapeutische Angebote helfen, mit Leistungsdruck, Versagensängsten oder einem verminderten Selbstwertgefühl umzugehen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Familie, Schule und therapeutischen Fachkräften verbessert die Entwicklungschancen erheblich.
Mit dem Älterwerden vermindern sich die Störungen und häufig bleiben nur noch geringe Defizite im Erwachsenenalter zurück. Dafür können Störungen des Selbstwertgefühls und depressive Episoden eintreten. Betroffene Erwachsene erhalten in der My Way® Privatklinik eine umfassende Diagnostik sowie eine individuell abgestimmte Therapie.
ICD-10: Unterklassifikationen der F81 Diagnose
- F81.0 Lese und Rechtschreibstörung (Legasthenie)
- F81.1 Isolierte Rechtschreibstörung
- F81.2 Rechenstörung (Dyskalkulie)
- F81.3 Kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten
- F81.8 Sonstige Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten
- F81.9 Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, nicht näher bezeichnet