F63: Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle
Manche Menschen verspüren einen so starken, inneren Drang zu bestimmten Handlungen, dass sie diesem kaum oder gar nicht widerstehen können. Solche Zwänge fasst die Diagnose F63 im ICD-10 zusammen. Dabei handelt es sich um sogenannte Störungen der Impulskontrolle. Betroffene wissen häufig, dass ihr Verhalten schädlich oder unangemessen ist, erleben jedoch kurz vor der Handlung eine zunehmende innere Anspannung und anschließend oft ein Gefühl der Erleichterung.
Die F63-Diagnose umfasst verschiedene Krankheitsbilder, die sich deutlich voneinander unterscheiden können. Ihre Gemeinsamkeit ist der wiederkehrende Verlust der Impulskontrolle. Solche Störungen der Impulskontrolle wurden in dem älteren Code ICD-7 schon beschrieben, der von 1958 bis 1967 Gültigkeit hatte, jedoch nicht in der aktuellen, differenzierten Form.
Wie äußert sich F63?
Die Symptome hängen davon ab, welche Form der Impulskontrollstörung vorliegt. Gemeinsam ist den Erkrankungen meist ein wiederkehrender innerer Drang, der sich nur schwer unterdrücken lässt. Typische Anzeichen sind:
- wiederholte Handlungen trotz bekannter negativer Folgen
- zunehmende innere Anspannung vor der Handlung
- kurzfristige Erleichterung oder Befriedigung unmittelbar danach
- Schuldgefühle oder Reue im Anschluss
- erhebliche Belastungen im privaten, beruflichen oder finanziellen Leben
Zu den bekanntesten Erkrankungen innerhalb der F63-Gruppe gehören das pathologische Spielen (Spielsucht), die Kleptomanie und die Pyromanie, neben weiteren, weniger verbreiteten Störungen der Impulskontrolle.
Welche Ursachen kommen infrage?
Eine einzelne Ursache für F63 gibt es nicht. Fachleute gehen davon aus, dass biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammenwirken. Veränderungen bestimmter Botenstoffe im Gehirn, belastende Kindheitserfahrungen, traumatische Ereignisse oder andere psychische Erkrankungen können das Risiko erhöhen. Häufig treten zusätzlich Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen auf.
Auch genetische Einflüsse scheinen bei einigen Betroffenen eine Rolle zu spielen. Entscheidend ist jedoch meist das Zusammenspiel verschiedener Belastungsfaktoren, die dazu führen, dass Impulse immer schlechter kontrolliert werden können.
Diagnose und Behandlung von F63
Die Diagnose erfolgt durch eine ausführliche psychiatrische beziehungsweise psychotherapeutische Untersuchung. Dabei wird geprüft, ob tatsächlich eine Impulskontrollstörung vorliegt oder ob die Symptome besser durch eine andere psychische Erkrankung erklärt werden können. Störungen der Impulskontrolle kamen bereits in der ICD-7 als auffällige Verhaltensweisen vor, die heutige Einteilung des ICD-10 ermöglicht jedoch eine wesentlich präzisere Diagnosestellung.
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Unterform und der individuellen Lebenssituation. Besonders bewährt haben sich psychotherapeutische Verfahren, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie. Ziel ist es, belastende Auslöser zu erkennen, neue Strategien zur Impulskontrolle zu entwickeln und Rückfälle möglichst zu vermeiden. Bei einigen Betroffenen kann zusätzlich eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, wenn weitere psychische Erkrankungen vorliegen.
Hilfe bei Impulskontrollstörungen
Menschen mit einer F63-Diagnose leiden häufig stark unter den Folgen ihres Verhaltens. Nicht selten entstehen erhebliche Konflikte in Beziehungen, finanzielle Schwierigkeiten oder berufliche Probleme. Gleichzeitig schämen sich viele Betroffene für ihre Symptome und suchen lange keine professionelle Hilfe.
In unserer My Way® Privatklinik erfolgt die Diagnostik und Behandlung in einem geschützten Rahmen. Ziel ist es, die individuellen Ursachen zu verstehen, wirksame Strategien zur Impulskontrolle zu entwickeln und langfristig wieder mehr Selbstbestimmung im Alltag zu erreichen.
Im ICD-10 wird F63 weiter unterteilt in:
- F63.0 Pathologisches Spielen, wiederkehrendes Glücksspiel mit Kontrollverlust
- F63.1 Pathologische Brandstiftung (Pyromanie)
- F63.2 Pathologisches Stehlen (Kleptomanie)
Unwiderstehlicher Drang, Gegenstände zu entwenden, die meist nicht aus persönlichem Bedarf gestohlen werden. - F63.3 Trichotillomanie, wiederkehrendes Ausreißen der eigenen Haare mit sichtbarem Haarverlust.
- F63.8 Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle
- F63.9 Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle, nicht näher bezeichnet