F44: Konversionsstörungen und dissoziative Störungen verstehen

Die Diagnose F44 bezeichnet im ICD-10 die Konversionsstörung im Besonderen und die dissoziativen Störungen im Allgemeinen. Dazu gehören verschiedene psychische Erkrankungen, bei denen bestimmte Funktionen des Bewusstseins, der Erinnerung, der Wahrnehmung oder der Körpersteuerung vorübergehend beeinträchtigt sein können.

Für Betroffene wirken die Beschwerden oft sehr real und belastend. Nicht selten treten körperliche Symptome auf, obwohl keine ausreichende neurologische oder körperliche Ursache gefunden werden kann. Die Symptome entstehen dabei nicht absichtlich und sind nicht vorgetäuscht. Eine dissoziative Störung kann den Alltag erheblich beeinträchtigen und zu großem Leidensdruck führen.

Gelegentliche Erinnerungslücken oder das Gefühl, „neben sich zu stehen“, kennen viele Menschen. Bei F44 treten die Symptome jedoch deutlich intensiver auf und können die Lebensführung erheblich einschränken.

Wie sich eine dissoziative Störung äußern kann

Eine dissoziative Störung kann sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen. Je nach Ausprägung stehen körperliche, emotionale oder gedankliche Beschwerden im Vordergrund.

Zu den typischen Anzeichen gehören:

  • Erinnerungslücken für bestimmte Ereignisse oder Zeiträume
  • das Gefühl von Unwirklichkeit oder Fremdheit gegenüber sich selbst
  • vorübergehende Bewegungsstörungen
  • Gefühlsstörungen oder Taubheitsgefühle
  • Sprach- oder Schluckstörungen
  • plötzliche Lähmungserscheinungen ohne neurologischen Befund
  • Verwirrtheitszustände oder Identitätsstörungen

Besonders die Konversionsstörung kann für Betroffene sehr beängstigend sein. Die körperlichen Beschwerden wirken oft wie Symptome einer neurologischen Erkrankung, obwohl entsprechende Untersuchungen keine ausreichende körperliche Erklärung liefern.

Welche Formen von F44 es gibt

Unter der Diagnose F44 werden verschiedene Formen der dissoziativen Störung zusammengefasst. Häufig treten dissoziative Amnesien auf. Dabei können Betroffene wichtige persönliche Erinnerungen vorübergehend oder dauerhaft nicht abrufen, oftmals im Zusammenhang mit belastenden Ereignissen.

Eine weitere Form ist die Depersonalisations- oder Derealisationserfahrung. Betroffene erleben sich selbst oder ihre Umgebung als fremd, unwirklich oder verändert.

Besonders bekannt ist die Konversionsstörung. Hier zeigen sich die körperlichen Beschwerden wie Lähmungen, Bewegungsstörungen, Sprachstörungen oder Sinnesausfälle, ohne dass eine ausreichende neurologische Ursache festgestellt werden kann. Die Symptome sind dabei für die Betroffenen real und nicht willentlich beeinflussbar. Auch dissoziative Bewegungsstörungen, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen gehören zum Spektrum von F44.

Dissoziative Störung und mögliche Ursachen

Die Entstehung einer dissoziativen Störung wird meist durch das Zusammenwirken verschiedener biologischer, psychischer und sozialer Faktoren erklärt. Besonders häufig werden belastende Lebensereignisse, chronischer Stress oder traumatische Erfahrungen als mögliche Auslöser beschrieben.

Eine Konversionsstörung tritt nicht selten im Zusammenhang mit starken inneren Konflikten oder psychischer Überforderung auf. Dabei scheint die Psyche Belastungen auf eine Weise zu verarbeiten, die sich in körperlichen Symptomen äußern kann.

Nicht jede dissoziative Störung lässt sich auf ein einzelnes Ereignis zurückführen. Oft spielen mehrere Einflussfaktoren zusammen, die individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Dissoziative Störungen: Diagnose und Behandlung

Dissoziative Störungen sollten immer ernst genommen werden. Viele Betroffene erleben ihre Beschwerden als verwirrend und beängstigend, insbesondere wenn körperliche Symptome auftreten und zunächst keine Erklärung gefunden wird. Der Leidensdruck ist meist erheblich.

Dissoziative Störungen richten sich in der Behandlung nach Art und Schwere der Beschwerden. Häufig werden verschiedene therapeutische Maßnahmen miteinander kombiniert:

  • psychotherapeutische Unterstützung
  • traumatherapeutische Verfahren bei entsprechenden Belastungen
  • Techniken zur Stressregulation und Emotionsverarbeitung
  • Förderung von Selbstwahrnehmung und Stabilisierung
  • Behandlung begleitender psychischer Erkrankungen

Auch bei einer Konversionsstörung als eine Unterform der dissoziativen Störungen kann eine frühzeitige Behandlung helfen, die Symptome zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Viele Betroffene lernen im Verlauf der Therapie, belastende Zusammenhänge besser zu verstehen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Im ICD-10 hat F44 weitere Unterpunkte:

  • F44.0 Dissoziative Amnesie
  • F44.1 Dissoziative Fugue (Gedächtnisverlust)
  • F44.2 Dissoziativer Stupor (Erstarren)
  • F44.3 Trance- und Besessenheitszustände
  • F44.4 Dissoziative Bewegungsstörungen
  • F44.5 Dissoziative Krampfanfälle
  • F44.6 Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
  • F44.7 Gemischte dissoziative Störungen (einschließlich viele Formen der Konversionsstörung)
  • F44.8 Sonstige dissoziative Störungen
  • F44.9 Dissoziative Störung, nicht näher bezeichnet