F19: Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen
Offiziell heißt diese Erkrankung nicht „Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen“, sondern „Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen“ und hat in der icd-10 Klassifikation den Code F19. Hintergrund ist der Umstand, dass sich nicht immer eine substanzbedingte psychische oder körperliche Störung auf einen einzelnen Wirkstoff zurückführen lässt. Manche Menschen konsumieren verschiedene Drogen oder andere psychotrope Substanzen gleichzeitig oder in wechselnden Kombinationen. Sind die Auswirkungen der einzelnen Stoffe nicht mehr zuverlässig voneinander zu trennen, kann die F19-Diagnose gestellt werden.
Jedoch ist F19 nicht automatisch die richtige Diagnose, sobald jemand mehrere Substanzen konsumiert. Im ICD-10 kommt F19 dann infrage, wenn der Konsum chaotisch und wahllos erfolgt, die Wirkungen verschiedener Stoffe nicht voneinander getrennt werden können oder nicht sicher bekannt ist, welche Substanzen eingenommen wurden.
Was bedeutet multipler Substanzgebrauch?
Beim multiplen Substanzgebrauch können beispielsweise stimulierende, beruhigende, halluzinogene oder andere psychoaktive Stoffe miteinander kombiniert oder nacheinander konsumiert werden. Die Wirkungen können sich dadurch verstärken, abschwächen oder auf schwer vorhersehbare Weise verändern, was den Mischkonsum besonders riskant macht.
Das Abhängigkeitssyndrom durch psychogene Substanzen kann unter anderem Bewusstseinsstörungen, Veränderungen der Wahrnehmung und des Verhaltens sowie körperliche Komplikationen beinhalten. Bei einer akuten Intoxikation sind beispielsweise auch Krampfanfälle, Koma oder die Aspiration von Erbrochenem mögliche Folgen. Welche Gefahren und Störungen durch psychotrope Substanzen tatsächlich entstehen können, hängt wesentlich von den konsumierten Wirkstoffen, ihren Mengen und der Art der Einnahme ab.
Wann kann sich aus dem Konsum eine Abhängigkeit entwickeln?
Auch bei F19 kann ein Abhängigkeitssyndrom vorliegen. Charakteristisch sind ein starker Wunsch nach dem Konsum, Schwierigkeiten bei der Kontrolle und ein fortgesetzter Gebrauch trotz schädlicher Folgen. Andere Interessen und Verpflichtungen können zunehmend in den Hintergrund treten.
Ein solches Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen kann besonders komplex sein, weil sich das Konsumverhalten nicht zwingend auf eine bestimmte Droge konzentriert. Betroffene können unterschiedliche Substanzen verwenden und beispielsweise versuchen, die Wirkung eines Stoffes mit einem anderen zu verändern. Bei einer bestehenden körperlichen Abhängigkeit können nach einer deutlichen Reduzierung oder dem Absetzen zudem starke Entzugserscheinungen auftreten.
Psychische Folgen und Störungen durch psychotrope Substanzen
Neben einer Abhängigkeit können weitere psychische Störungen auftreten. Das ICD-10-GM berücksichtigt beispielsweise substanzbedingte psychotische Störungen. Möglich sind:
- Halluzinationen
- Wahrnehmungsstörungen
- paranoide oder andere wahnhafte Vorstellungen
- Veränderungen von Psychomotorik und Affekt
Auch länger anhaltende Beeinträchtigungen sind möglich. Mit der F19.7-Diagnose werden Restzustände und verzögert auftretende psychotische Störungen erfasst. Dazu gehören substanzbedingte Veränderungen von
- kognitiven Fähigkeiten
- Stimmung
- Persönlichkeit und
- Verhalten,
die über die unmittelbare Wirkung der konsumierten Substanzen hinaus bestehen bleiben.
Wie werden Störungen durch multiple psychotrope Substanzen behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach den konsumierten Substanzen, dem aktuellen Gesundheitszustand, möglichen Entzugsrisiken und den vorhandenen psychischen und körperlichen Begleiterkrankungen. Zunächst muss deshalb möglichst genau geklärt werden, welche Stoffe konsumiert wurden und welche Beschwerden damit zusammenhängen. Dazu können neben den Angaben der betroffenen Person beispielsweise Blut- oder andere Körperflüssigkeitsanalysen, klinische Symptome und weitere Befunde herangezogen werden.
Bei einem Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen kann sich an eine medizinisch notwendige Entzugsbehandlung eine längerfristige therapeutische Behandlung anschließen. In einer spezialisierten psychiatrischen Privatklinik wie der My Way® Psychiatrischen Klinik können dabei die Abhängigkeit an sich und mögliche psychische Begleiterkrankungen gemeinsam betrachtet und individuelle therapeutische Schritte eingeleitet werden.
Welche Unterteilungen gibt es bei der F19-Diagnose?
Das ICD-10-GM 2026 unterscheidet bei F19 nach dem jeweiligen klinischen Erscheinungsbild. Die offiziellen Unterteilungen reichen von der akuten Intoxikation über Abhängigkeit und Entzug bis zu länger anhaltenden substanzbedingten Störungen.
- F19.0 Akute Intoxikation (akuter Rausch)
- F19.1 Schädlicher Gebrauch
- F19.2 Abhängigkeitssyndrom
- F19.3 Entzugssyndrom
- F19.4 Entzugssyndrom mit Delir
- F19.5 Psychotische Störung
- F19.6 Amnestisches Syndrom
- F19.7 Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung
- F19.8 Sonstige psychische und Verhaltensstörungen
- F19.9 Nicht näher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung