ICD-10-Code F15: Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien einschließlich Koffein

Stimulanzien sind Substanzen, die anregend auf das zentrale Nervensystem wirken. Sie können Wachheit und Aktivität steigern, Müdigkeit unterdrücken und je nach Substanz und Dosis auch Euphorie hervorrufen. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Amphetamine und Methamphetamin. Auch Koffein zählt zu den stimulierenden Substanzen. Psychische und Verhaltensstörungen, die durch entsprechende Stimulanzien verursacht werden, fasst die ICD-10-Klassifizierung unter F15 zusammen.

Eine F15-Diagnose bedeutet nicht automatisch, dass eine Abhängigkeit besteht. Der Code umfasst unterschiedliche gesundheitliche Folgen des Substanzgebrauchs, von einer akuten Intoxikation über schädlichen Gebrauch und Abhängigkeit bis zu Entzugserscheinungen und psychotischen Störungen.

Wie wirken Stimulanzien und ist Koffein schon eine Droge?

Die Wirkung auf Körper und Psyche hängt wesentlich davon ab, welche Substanz in welcher Menge eingenommen wird. Stimulanzien können unter anderem dazu führen, dass sich Menschen vorübergehend wacher, leistungsfähiger und energiegeladener fühlen. Müdigkeit und Hunger können in den Hintergrund treten. Bei starken Stimulanzien können außerdem Euphorie und ein gesteigertes Selbstvertrauen auftreten.

Koffein zum Beispiel ist eine psychoaktive Substanz und wirkt anregend auf das zentrale Nervensystem. Im pharmakologischen Sinne kann Koffein daher durchaus als Droge bezeichnet werden, auch wenn der Begriff im Alltag meist für illegale Rauschmittel verwendet wird. Koffein steckt unter anderem in Kaffee, Tee, Cola und Energydrinks und kann bei höheren Mengen beispielsweise Unruhe, Herzklopfen oder Schlafprobleme verursachen. Bei regelmäßigem Gebrauch kann sich zudem eine körperliche Gewöhnung entwickeln. Wird es dann plötzlich abgesetzt, sind unter anderem Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme möglich, was Koffein medizinisch betrachtet als Droge mit Abhängigkeitspotenzial entlarvt. Ein Übermaß an Koffeineinnahme ist häufig zu beobachten, wenn versucht wird, andere Stimulanzien zu begrenzen und mit Koffein ein Ersatz geschaffen werden soll.

Wann liegt eine Abhängigkeit von Stimulanzien vor?

Das Abhängigkeitssyndrom wird unter F15.2 eingeordnet. Eine Abhängigkeit kann sich beispielsweise dadurch zeigen, dass ein starker Wunsch nach der Substanz besteht und die Einnahme zunehmend schwer kontrolliert werden kann. Auch eine Toleranzentwicklung kann auftreten, sodass für die gewünschte Wirkung immer größere Mengen benötigt werden. Gleichzeitig können andere Interessen und Verpflichtungen zunehmend vernachlässigt werden.

Davon zu unterscheiden ist die F15.1- Diagnose. Dieser Code bezeichnet dem Missbrauch einer Stimulanz. Entscheidend ist hierbei, dass durch den Gebrauch bereits eine körperliche oder psychische Gesundheitsschädigung entstanden ist.

Entzug und weitere psychische Beschwerden bei ICD-10-Code F15

Nach regelmäßigem Gebrauch können bei einer deutlichen Verringerung oder dem Absetzen Entzugserscheinungen auftreten. Zu den möglichen Beschwerden gehören:

  • starke Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Schlafstörungen
  • innere Unruhe
  • gesteigerter Appetit
  • psychische Veränderungen und gedrückte Stimmung

Der ICD-10 ordnet ein Entzugssyndrom F15.3 zu. Kommt ein Delir hinzu, wird F15.4 verwendet.

Welche Substanzen werden im ICD-10 bei F15 erfasst?

F15 umfasst verschiedene stimulierende Substanzen und entsprechend unterschiedliche Formen psychischer und körperlicher Beeinträchtigungen. Eine Diagnose kann beispielsweise im Zusammenhang mit Amphetaminen und einer daraus entstandenen Sucht beziehungsweise einem Abhängigkeitssyndrom gestellt werden. Die genaue Einordnung richtet sich jedoch immer danach, welche gesundheitlichen Folgen vorliegen. Neben einer Abhängigkeit berücksichtigt der ICD-10 unter anderem akute Intoxikationen, schädlichen Gebrauch, Entzugssyndrome und psychotische Störungen.

Für bestimmte stationäre Einrichtungen sieht die ICD-10-GM 2026 darüber hinaus eine ergänzende Kodierung vor. Damit kann bei psychischen und Verhaltensstörungen durch Stimulanzien genauer zwischen (Meth-)Amphetamin-haltigen Stoffen und sonstigen Stimulanzien sowie zwischen intravenösem und nichtintravenösem Gebrauch unterschieden werden.

Behandlung bei einer F15-Diagnose

Welche Behandlung erforderlich ist, richtet sich nach der verwendeten Substanz, der Dauer und Intensität des Gebrauchs sowie den körperlichen und psychischen Folgen. Auch mögliche Begleiterkrankungen und der Gebrauch weiterer Substanzen müssen berücksichtigt werden.

Wenn beispielsweise durch Amphetamine eine Sucht entstanden ist, beschränkt sich die Therapie nicht darauf, die Einnahme des Stimulans zu beenden. Psychotherapeutisch kann beispielsweise daran gearbeitet werden, Auslöser für den Substanzgebrauch zu erkennen, problematische Verhaltensmuster zu verändern und Strategien für den Umgang mit Suchtdruck und belastenden Situationen zu entwickeln. Bestehen gleichzeitig Depressionen, Angststörungen oder andere psychiatrische Erkrankungen, sollten diese in die Behandlung einbezogen werden.

In der My Way® Klinik kann nach einer ausführlichen Diagnostik ein individuelles Behandlungskonzept entwickelt werden. Ziel ist es, neben dem problematischen Substanzgebrauch auch psychische Begleiterkrankungen und persönliche Belastungsfaktoren zu berücksichtigen und damit die Voraussetzungen für eine langfristige Stabilisierung zu schaffen.

Die Unterteilungen von F15 im ICD-10

Die ICD-10 unterscheidet bei F15 folgende Unterkategorien.

  • F15.0 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, akute Intoxikation
  • F15.1 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, schädlicher Gebrauch
  • F15.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, Abhängigkeitssyndrom
  • F15.3 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, Entzugssyndrom
  • F15.4 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, Entzugssyndrom mit Delir
  • F15.5 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, psychotische Störung
  • F15.6 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, amnestisches Syndrom
  • F15.7 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung
  • F15.8 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, sonstige psychische und Verhaltensstörungen
  • F15.9 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, nicht näher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung