F11: Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, beziehungsweise Persönlichkeitsveränderungen durch Drogen

Opioide werden in der Medizin vor allem zur Behandlung starker Schmerzen eingesetzt. Zu dieser Substanzgruppe gehören beispielsweise Morphin und andere starke Schmerzmittel. Auch Heroin zählt zu den Opioiden. Die Substanzen können neben ihrer schmerzlindernden Wirkung unter anderem beruhigend oder euphorisierend wirken. Gleichzeitig besteht ein hohes Abhängigkeitsrisiko. Deshalb stellt sich im Kontext mit dem Konsum von Opioiden häufig die Frage nach möglichen Persönlichkeitsveränderungen durch solche Drogen.

Unter dem ICD-10-Code F11 werden psychische und Verhaltensstörungen zusammengefasst, die durch Opioide verursacht werden. Dabei bedeutet die regelmäßige Einnahme eines Opioids allein noch nicht, dass eine Persönlichkeitsveränderung durch Drogen vorliegt. Entscheidend sind die Auswirkungen des Konsums und das jeweilige klinische Erscheinungsbild.

Abzugrenzen sind auch die Fälle, bei denen die Grunderkrankung eine Persönlichkeitsstörung ist und die Opioide „nur“ als Selbstmedikation verwendet werden und daher die Sekundärerkrankung einen besonderen Behandlungsansatz erfordert.

Was bedeutet die Diagnose F11 bei psychischen Störungen durch Drogen?

Innerhalb der ICD-10-Klasssifizierung gehört F11 zu den psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen. Das Spektrum reicht von einer akuten Vergiftung über schädlichen Gebrauch mit Abhängigkeit bis zu Entzugssyndromen oder anderen psychischen Folgen. Welche Störung konkret besteht, wird durch eine zusätzliche vierte Stelle des ICD-Codes angegeben.

Wichtig wird diese Differenzierung insbesondere bei Menschen, die Opioide aufgrund chronischer Schmerzen erhalten. Eine längerfristige ärztlich verordnete Einnahme oder eine körperliche Gewöhnung ist nicht automatisch mit einer Abhängigkeitserkrankung gleichzusetzen. Hinweise auf eine Abhängigkeit sind eher beispielsweise ein ausgeprägter Drang nach der Substanz, einhergehend mit Kontrollverlust oder die Fortsetzung beziehungsweise eigenständige Steigerung des Konsums trotz negativer Folgen.

Wie kann sich eine Opioidabhängigkeit bemerkbar machen?

Eine Opioidabhängigkeit kann sich durch verschiedene körperliche, psychische und verhaltensbezogene Anzeichen bemerkbar machen. Dazu gehören unter anderem:

  • starker Wunsch oder Drang nach der Einnahme von Opioiden
  • Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren
  • zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Verpflichtungen
  • Toleranzentwicklung mit dem Bedürfnis nach höheren Mengen für eine vergleichbare Wirkung
  • Schwitzen und weitere, auch belastende körperliche Symptome bei Reduzierung oder Absetzen der Substanz
  • innere Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Muskelschmerzen
  • Übelkeit
  • Durchfall

Welche Beschwerden und Persönlichkeitsveränderungen durch Drogen auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, hängt unter anderem von der verwendeten Substanz, der Dosis und der Dauer des Konsums ab.

Der ICD-10-Code: Wie wird eine F11-Störung diagnostiziert?

Für die Diagnose ist eine sorgfältige Beobachtung des bisherigen und aktuellen Opioidkonsums notwendig. Berücksichtigt werden beispielsweise die verwendeten Präparate oder Substanzen, Dosierungen, Einnahmedauer und Konsummuster. Hinzu kommen körperliche und psychische Symptome sowie mögliche Begleiterkrankungen.

Bei Opioidmedikamenten muss besonders genau betrachtet werden, ob die Einnahme entsprechend der ärztlichen Verordnung erfolgt. Eine fortgesetzte Einnahme in ärztlicher Absprache erfüllt nach Angaben der Bundesärztekammer nicht allein die Kriterien eines schädlichen Gebrauchs oder einer Abhängigkeit. Eigenständige Dosissteigerungen, Kontrollverlust und ein fortgesetzter Konsum trotz gesundheitlicher oder anderer negativer Konsequenzen können dagegen auf eine psychische Störung durch Drogen hinweisen.

Welche Behandlung kommt bei F11 infrage?

Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der psychischen Störung durch die Drogen sowie nach der individuellen Situation. Bei einer bestehenden Abhängigkeit kann ein qualifizierter Entzug in einer suchtmedizinischen oder psychiatrischen Einrichtung angezeigt sein. Dabei geht die Behandlung über das Absetzen der Substanz hinaus. Psychosoziale und psychotherapeutische Maßnahmen können wesentlich dazu beitragen, die Abhängigkeit von Drogen und Persönlichkeitsveränderungen durch Drogen langfristig zu behandeln.

In einer psychiatrischen Fachklinik wie der My Way® Klinik kann die Behandlung zudem psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder andere psychiatrische Probleme einbeziehen.

Welche Unterteilungen innerhalb des ICD-10 gibt es bei F11?

Man unterscheidet bei psychischen und Verhaltensstörungen durch Opioide verschiedene Erscheinungsformen. Die vierte Stelle des Codes beschreibt jeweils das klinische Bild.

  • F11.0 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, akute Intoxikation
  • F11.1 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, schädlicher Gebrauch
  • F11.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom
  • F11.3 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, Entzugssyndrom
  • F11.4 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, Entzugssyndrom mit Delir
  • F11.5 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, psychotische Störung
  • F11.6 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, amnestisches Syndrom
  • F11.7 Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung
  • F11.8 Sonstige psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide
  • F11.9 Nicht näher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung durch Opioide