F04: Organisches amnestisches Syndrom – wenn das Gedächtnis dauerhaft gestört ist
Das unter der Kennziffer F04 im ICD-Code klassifizierte organische amnestische Syndrom beschreibt eine ausgeprägte und anhaltende Gedächtnisstörung, die nicht durch Alkohol oder andere psychotrope Substanzen verursacht wird. Im Zentrum steht eine Form der Amnesie, bei der vor allem die Fähigkeit beeinträchtigt ist, neue Informationen zu speichern. Betroffene können sich häufig nicht mehr an kürzlich Geschehenes erinnern, während ältere Erinnerungen teilweise erhalten bleiben.
Was passiert bei einem organischen amnestischen Syndrom?
Charakteristisch für das organische amnestische Syndrom ist eine Störung des sogenannten Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnisses. Neue Eindrücke werden nicht dauerhaft abgespeichert, sodass Gespräche, Ereignisse oder Informationen rasch wieder vergessen werden. Diese Form der Amnesie wird auch als anterograde Amnesie bezeichnet. In einigen Fällen kann zusätzlich eine retrograde Amnesie mit denselben Ursachen auftreten, bei der Erinnerungen aus der Vergangenheit nur eingeschränkt abrufbar sind.
Wichtig ist, dass andere geistige Fähigkeiten oft vergleichsweise gut erhalten bleiben. Sprache, allgemeines Wissen oder soziale Kompetenzen sind nicht zwangsläufig betroffen. Gerade diese Diskrepanz führt im Alltag häufig zu Verunsicherung – sowohl bei den Betroffenen als auch im Umfeld.
Die Amnesie als Ursache für das Phänomen der Konfabulation
Ein weiteres charakteristisches Merkmal des organischen amnestischen Syndroms ist die sogenannte Konfabulation. Dabei füllen Betroffene unbewusst ihre Gedächtnislücken mit Inhalten, die sie selbst für real halten, die jedoch nicht der Wirklichkeit entsprechen. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um bewusstes Lügen oder Täuschen, die Betroffenen sind von ihren „Erinnerungen" vollständig selbst überzeugt. Konfabulationen können sich als scheinbar plausible Alltagsschilderungen äußern, aber auch als deutlich widersprüchliche oder zeitlich versetzte Erzählungen. Für Angehörige ist dieses Phänomen oft schwer zu verstehen und emotional belastend, weshalb eine gezielte Aufklärung des sozialen Umfelds ein wichtiger Bestandteil der Begleitung Betroffener ist.
Welche Ursachen können dahinterstecken?
Für eine solche Amnesie sind die Ursachen selten eindeutig auszumachen, sie haben jedoch immer eine körperliche Grundlage. Häufig stehen Schädigungen bestimmter Hirnstrukturen im Vordergrund, insbesondere in Bereichen, die für das Gedächtnis zuständig sind, wie etwa der Hippocampus.
Zu den möglichen Ursachen zählen unter anderem:
- Durchblutungsstörungen des Gehirns, etwa infolge eines Schlaganfalls
- Schädel-Hirn-Traumata nach Unfällen
- Entzündliche Erkrankungen des Gehirns
- Sauerstoffmangel, beispielsweise nach Herz-Kreislauf-Stillstand
- Tumorerkrankungen oder operative Eingriffe im Gehirn
Allen Ursachen ist gemeinsam, dass sie zu einer nachweisbaren Schädigung des Gehirns führen, die die Gedächtnisfunktion beeinträchtigt.
Diagnose und Umgang im Alltag
Die Diagnose eines organischen amnestischen Syndroms erfolgt auf Grundlage einer ausführlichen medizinischen und neuropsychologischen Untersuchung. Dabei wird geprüft, in welchem Ausmaß die Amnesie vorliegt und ob andere kognitive Funktionen betroffen sind.
Die F04-Klassifizierung schließt die Korsakow-Psychose (Korsakow-Syndrom) ein, wenn es nicht alkoholbedingt, sondern zumeist durch Vitamin B1-Mangel bedingt ist.
Das organische amnestische Syndrom zeigt, wie eng Gedächtnis und Lebensqualität miteinander verbunden sind. Eine frühzeitige Abklärung dieser Amnesie und möglicher Ursachen können dazu beitragen, dass Betroffene ihren Alltag besser bewältigen können. Auch die Unterstützung des sozialen Umfeldes sind für Betroffene von großer Bedeutung.