von Melissa Celmeur
Fragen und Antworten zum Burnout-Rückfall
Klaus-Dirk Kampz ist Geschäftsführer der My Way® Psychiatrischen Privatklinik. Zum Thema Burnout und Burnout-Rückfall hat er ein paar prägnante, substanzielle Fragen kompetent beantwortet.
Frage: Wie kommt man aus einem Burnout ohne einen späteren Rückfall heraus und wie lange kann das dauern?
Um einen Burnout zu überwinden, ist es notwendig, das eigene Verhalten aktiv und nachhaltig zu verändern, um eine gesunde Balance zwischen den verschiedenen Lebensbereichen herzustellen. Menschen, die beispielsweise ständig überhöhte Anforderungen an sich selbst stellen oder stellen lassen und dadurch unter erheblichem Leistungsdruck stehen, sei es beruflich oder privat, müssen lernen, von nicht realisierbaren Erwartungen schrittweise loszulassen. Dieser Prozess erfordert Zeit und unter Umständen viel Geduld, da er von Person zu Person unterschiedlich lange dauern kann. Häufig gelingt es Betroffenen nicht, alle Vorsätze sofort und vollständig umzusetzen, was den Weg zur Genesung erschwert und die Gefahr eines Burnout-Rückfalls begünstigen kann.
Der Burnout-Rückfall tritt oft dann auf, wenn Betroffene versuchen, sich aus dem Hamsterrad des Burnouts zu befreien und dabei die Komplexität unterschätzen und notwendige, professionelle Unterstützung nicht in Anspruch nehmen. Rückfälle sind ein Anzeichen dafür, dass die Bewältigung der Burnout-Symptome und der Aufbau neuer, gesunder Verhaltensmuster als ein komplexer und längerfristiger Prozess viel Durchhaltevermögen erfordert. Die Ursachen für die eigenen Probleme zu erkennen, passende Lösungen zu entwickeln und die notwendigen Maßnahmen konsequent umzusetzen, stellt für viele eine große Herausforderung dar.
Um einen möglichst stabilen Genesungsverlauf zu gewährleisten, ist es wichtig, Stressauslöser dauerhaft zu minimieren oder ganz abzuschalten. Dabei hilft es, realistische Ziele zu verfolgen und den Alltag den eigenen Kräften angemessen zu gestalten. Auch Entspannungsübungen und sinnstiftende, stressfreie Aufgaben tragen dazu bei, die Burnout-Symptome zu lindern und den Weg aus der Krankheit zu ebnen. Professionelle Unterstützung ist oft unerlässlich, um einen Burnout effektiv und nachhaltig zu behandeln, einen Rückfall in den Burnout zu vermeiden und die Genesung zu stabilisieren. Mit Geduld und einem gut durchdachten Ansatz kann es gelingen, dem Burnout inklusive Rückfall langfristig Lebewohl zu sagen.
Wie häufig kann ein Burnout-Rückfall auftreten?
Die Erfolgsaussichten bei der Genesung vom Burnout-Syndrom sind generell gut. Allerdings besteht das Risiko eines Rückfalls in den Burnout, da Betroffene oft in alte Verhaltensmuster zurückgeraten. Innerhalb von zwei Jahren liegt die Rückfallrate bei etwa 40 bis 50 Prozent, wobei die Symptome nach einer Burnout-Behandlung meist schwächer ausgeprägt sind.
Dies verdeutlicht die Bedeutung einer Nachsorge, um den Burnout-Rückfall zu verhindern. Weitergehende ambulante Burnout-Behandlungen oder stationäre Intervalltherapien können helfen, den Genesungsprozess zu stabilisieren und Rückfälle zu vermeiden. Eine gezielte Therapie mit Coaching unterstützt Betroffene dabei, stressfördernde Muster zu erkennen und langfristig besser zu bewältigen.
Kann ein Rückfall in den Burnout auch ein Hinweis dafür sein, dass die anfänglichen, ersten Burnout-Symptome noch gar nicht überstanden waren
Nach Coaching, Auszeit oder einer Burnout-Behandlung oder einer Auszeit fühlen sich viele Betroffene zunächst oft besser. Der Burnout und seine Symptome sind zumindest gelindert, und das Problem scheint mindestens vorübergehend gelöst. Daher kehren viele vom Burnout Betroffene zu ihrem gewohnten Alltag zurück, ohne die tieferliegenden Ursachen des Burnouts zu bearbeiten. Taucht das Erschöpfungssyndrom jedoch nach einiger Zeit wieder auf, wird dies häufig als Rückfall des Burnouts wahrgenommen. Tatsächlich handelt es sich in vielen Fällen aber nicht um einen echten, akuten Burnout-Rückfall, sondern vielmehr darum, dass der Burnout nie vollständig überwunden wurde.
Bei einer unzureichenden oder fehlenden Burnout-Behandlung bleiben die zugrundeliegenden Stressfaktoren und Verhaltensmuster bestehen. Die Burnout-Symptome werden dann nur vorübergehend verdrängt oder "verschleppt" und brechen zu einem späteren Zeitpunkt erneut aus. Um das zu vermeiden, ist es entscheidend, nicht nur diese Symptome zu lindern, sondern auch die Ursachen konsequent anzugehen. Der Burnout bedarf einer gezielten Behandlung, die sowohl die Bewältigung von Stress als auch die Entwicklung nachhaltiger Lebensstrategien umfasst.